3. Phase 2.6.67 – 15.6.68 Massenmobilisierung/-Politisierung

« zurück (2. Phase 07.04.1966 – 02.06.1967) | (4. Phase 16.06.1968 – 31.03.1969) vorwärts »

 

Zum Schah Besuch Anfang Juni 1967 wird durch Vorträge/Bücher und ein Happening über das diktatorische Regime des Schahs in Hamburg aufgeklärt. Die Erschießung Benno Ohnesorgs während des Schah Besuchs in Berlin am zweiten Juni  1967 mobilisiert am 03.06.1967 in Hamburg hunderte Demonstranten. Erneut erfolgen brutale Polizeieinsätze. An den Protesten wegen der Ermordung Benno Ohnesorgs beteiligen sich in den folgenden Tagen Tausende bis weit in die „Mitte“ der Gesellschaft. Dieses Ereignis gilt (nach Auffassung vieler 68er-Chronisten) als der eigentliche Beginn der Protestbewegung in Deutschland. Danach folgen weitere kleine (Nadelstiche) und größere Protestaktionen: Kritik am Kolonialismus vermittelt durch den Sturzversuch des Wissmann-Denkmals; Kritik an der verstaubten Ordinarienuniversität „Unter den Talaren, der Muff von tausend Jahren“, Entwurf eines Räte orientierten Hochschulgesetzes durch den SDS; Protestaktionen gegen Ordinarien mit NS-Vergangenheit –- Spuhler, Wenke, Thielicke, Hoffstätter – der Kampf gegen die braune Vergangenheit der Uni beginnt; Kritik an der Hetze gegen die Studenten durch die Springerpresse „Enteignet Springer“ –, Kampf gegen die Notstandsgesetzgebung, Vietnam, Griechenland usw.

Das Attentat auf Rudi Dutschke und die Protestaktionen gegen Springer Ostern 1968 führen zum ersten Höhepunkt der 68er Bewegung. Jetzt beteiligen sich nicht nur die Studierenden, sondern auch Schüler, Lehrlinge und kritische Bürger sind dabei. „Enteignet Springer“ ist eine populäre Forderung.

Neben dem Vietnamkrieg ist vor allem die geplante Notstandsgesetzgebung ein weiteres Thema des Protestes. Er erreicht im Mai, kurz vor der Verabschiedung der Gesetze, seinen Höhepunkt.

Neben den genannten Themen der Bewegung waren die Gewalterfahrung (brutale Polizeieinsätze, arrogante Ordinarien, der Polizeimord an Ohnesorg und das Attentat auf Dutschke) wesentliche Mobilisierungsfaktoren für die Protestbewegung.

  • Hamburger Abendblatt: Proteste gegen Schah-Besuch, Hamburger Abendblatt, Nr. 124, Hamburg: 31.05.1967, S. 3.  [Medienarchiv68] [Original pdf]

02.06.1967 SDS Schah Happening auf dem Universitätscampus
„a) Schweigemarsch der iranischen Studenten. Beginn 15.00 vor der Mensa der Universität. Führt zum iranischen Konsulat in der Haynstr.
b) Solidaritätskundgebung mit dem persischen Volk unter dem Motto „Schah-Happening“ (Veranstalter SDS), Ort und Zeit: 18.30 Uhr Von-Melle-Park. Hauptredner: Rudi Dutschke, Berlin. Diese Veranstaltung ist für uns von besonderer Wichtigkeit, da sich bereits angesagt haben: NDR-Fernsehen, Bayrischer Rundfunk (Fernsehsendung „report“) und das Zweite Deutsche Fernsehen. Es hängt von uns allen ab, wie viele Schah-Gegner auf dieser Veranstaltung erscheinen.

  • SDS HH Mitgliederrundschreiben Nr. 3 – 1967 vom 27.05.1967, J. Seifert Materialien. [Word Dok] [Quelle: HIS]

Eine aus Pappmaché geformte Büste des Schahs wird nach der Rede von Dutschke mit Wackelpudding beworfen.

  • Hamburger Abendblatt: „Schah-Happening“ von der Polizei genehmigt, Hamburger Abendblatt, Nr. 122, Hamburg: 29.05.1967, S. 5.  [Medienarchiv68] [Orignal pdf]
  • Wolfgang Kraushaar: Die 68er-Bewegung international. Eine illustrierte Chronik 1960–1969, Band 2, Stuttgart: 2018, S. 139.

02.06.1967: In West-Berlin wird Benno Ohnesorg auf einer Demonstration gegen den Besuch des Schah vom Iran erschossen.

  • [Dazu eine Fotostrecke des Spiegel: Link ]

Dokumentarfilme vom Schah Besuch in Berlin

03.06.1967:

In Hamburg beginnt der zweitägige Besuch des Schah von Iran. Es kommt zu heftigen Angriffen der Polizei auf die Protestierenden. Unter ihnen auch persische Studenten.

AStA Dokumente

  • ASTA UHH/Gert-Hinnerk Behlmer (Hrsg.): AStA-Dokumente : Berichte und Informationen des Allgemeinen Studierendenausschusses der Universität Hamburg, Augenzeugenbericht vom Schah-Besuch in Hamburg vom 3. – 4. Juni 1967 : Versuch einer Beurteilung des Verhaltens von Demonstranten und Polizei unter rechtlichen und polizeitaktischen Gesichtspunkten, Nr. 1, Hamburg: 21.06.1967. [MAO Projekt]

Dokumentarfilm zum Schah Besuch in Hamburg:

Dokumentarfilm im NDR-Archiv: Der Schah in Hamburg, Senat, Innensenator Ruhnau, AStA-Vorsitzende Helga Bauer.

  • NDR/Hamburg Journal: 1967: Proteste gegen den Schah in Hamburg, Hamburg Journal, Hamburg: 03.06.2012 19:30 Uhr. [Film]

Ablaufschilderung der Demo am 03.06.1967

  • Hamburger Abendblatt: Die dreißig Stunden des Schah-Besuchs, Hamburgger Abendblatt, Nr. 128, Hamburg: 05.06.1967, S. 4.  [Medienarchiv68] [Original pdf]
  • Kai von Drigalski (Hrsg.): Zur Information der Presse: Augenzeugenprotokolle anläßlich des Schahbesuchs am 3. Juni 1967 Hamburg, Hamburg: 03.06.1967. [pdf] [Quelle: FZH]
  • Dirk Hempel, NDR.de: Gewalt statt Glamour Als der Schah Hamburg besuchte, Hamburg Journal, 03.06.2017 [Quelle: NDR.de] Darin enthalten ein Film vom 3.6.2012

03.06.1967 SDS HH: Chronologie der SDS Persienarbeit seit Februar 1967

  • Karl Fabig: Chronologischer Bericht über die Persien-Arbeit des SDS Hamburg, 04.06.1967. [pdf] [Quelle: HIS]

07.06.1967 Der Asta der Uni HH veranstaltet Trauerdemonstration zum Tod von Benno Ohnesorg

AStA-INFO zur Trauerdemo Benno Ohnesorg in HH

  • AStA UHH: Abschrift, AStA-INFO, Sonder-Info, SS 1967, Hamburg: 07.06.1967, in: AStA UHH/Stefan Micheler und Jakob Michelsen (Hrsg.): Der Forschung? : Der Lehre? : Der Bildung? : Wissen ist Macht! : 75 Jahre Universität Hamburg: Studentische Gegenfestschrift zum Universitätsjubiläum 1994, Hamburg: April 1994, S. 92-101. [pdf]

Der erste Bürgermeister der Stadt Professor Herbert Weichmann sagt seine betriebswirtschaftliche Vorlesung kurzfristig ab. Der AStA hatte Professor Weichmann in einem offenen Brief zuvor aufgefordert, sich vor seinen Studenten dafür zu entschuldigen, dass er die Anti-Schah Demonstranten als Störenfriede und Radaubrüder bezeichnet hat.

  • Wolfgang Kraushaar: Die 68er-Bewegung international. Eine illustrierte Chronik 1960–1969, Band 2, Stuttgart: 2018, S.183.

gut besuchte Trauerfeier für Benno Ohnesorg auf dem Campus der Universität am 07.06.1967

  • Foto aus: Marc-Simon Lengowski: Von der „pragmatischen Variante der Studentenbewegung“ zum „1. befreiten Institut“. „1968“ an der Universität Hamburg und seine lokalen Besonderheiten, in: Zeitschrift des Vereins für Hamburgische Geschichte, Band 99, Hamburg: 2013, S. 80.

07.06.1967 Flugblattaktion Hamburger Studenten

  • Hamburger Abendblatt: Diskussion auf der Straße, Hamburger Abendblatt, Hamburg: 08.06.1967, S. 3. [Original pdf]

09.06.1967 Sternfahrt Hannover Beisetzung Benno Ohnesorg (wie 07.06.1967)

Dokumentarfilm über den Kongress in Hannover

Der Dokumentarfilm berichtet über die unmittelbaren Tage nach dem Tod von Benno Ohnesorg (02.06.1967) und endet eine Woche später mit dem Kongreß »Hochschule in der Demokratie« am 9. Juni 1967 in der Sporthalle zu Hannover auf dem Jürgen Habermas gegenüber dem SDS und Rudi Dutschkes Aktionismus den Vorwurf des „Linksfaschismus“ erhob.

Dazu: Resolution des Kongresses in Hannover (Auszug)

Kongreß: Hochschulen in der Demokratie, in Hannover, Resolution

  • Kongreß: Hochschulen in der Demokratie : Kongreß in Hannover – Resolution – Arbeitspapiere, Resolution, Hannover: 09.06.1967. [pdf] [Quelle: UHH-Archiv]

11.06.1967 Dienstag, 19.00 Uhr, Mensa II „Polizeistaat und Ordinarienuniversität“ öffentliche Arbeitstagung des Hamburger SDS

  1. „Die bisherige Lage in Hamburg a) Die „Mitbestimmung“ studentischer Vertreter in akademische Gremien (Wilmeroth 2. Asta-Vorsitzender) b) Das „neue„ Hochschulgesetz Helga Bauer 1. Asta-Vorsitzende c) Wider ein politisches Mandat (Pätzold, Polit-Referent d. Asta)
  2. Antiautoritäre studentische Kampfmittel a) Boykott b) Seminarräte c) Räteseminare
  3. Ansätze zur Politisierung der Wissenschaften a) VWL und Politökonomie (E. Dogas, Mike, Zorer) b) Wertfreie Medizin (Karl Fabig) c) Germanistik und Deutschtum (Peter Schütt) d) Apolitische Politologie und Sozioideologie (Jens Litten) e) Pädokratik und Volksverdummung (Reuß, Oberlercher) f) Napalm-Chemie (Peter Köll)“
  • SDS HH: 11.06.1967, [Quelle: Seifert Materialien, HIS]

15.06.1967 ab 10.00 öffentliche Parlamentssitzung in der Mensa II über die Vorfälle in Berlin und Hamburg anläßlich des Schahbesuchs. Ab 20.00 im PI eine Podiumsdiskussion über die Vorfälle in Hamburg (einschließlich „Verhältnis“ Polizei – Studenten) mit dem Polizeipräsidenten Dr, Frenzel, Kommandeur der Schutzpolizei Leddin, 1. ASTA-Vors. Frl, Bauer, exVize(-Präsident) Otto und ex-Asta-Vize H. Behlmer (Oberleutnant d. R. u, Demonstrationsspezies, s. auch Auditorium)

  • SDS HH Mitgliederrundschreiben Nr. 3 – 1967 vom 14.06.1967, [pdf] [Quelle: Seifert Materialien, HIS]
  • siehe auch: SDS Hamburg: Betr.: Interfraktionelle Erklärung zu den Vorfällen des Schah-Besuchs in Hamburg vom 14.5.67, Offener Brief, Hamburg: 15.06.1967. [pdf] [Quelle: FZH]

15.6.1967 AK Film zeigt Filme über Polizeieinsätze

15.06.1967 AK Film zeigt Filme über Polizeieinsätze

  • AStA UHH/Stefan Micheler und Jakob Michelsen (Hrsg.): Der Forschung? : Der Lehre? : Der Bildung? : Wissen ist Macht! : 75 Jahre Universität Hamburg: Studentische Gegenfestschrift zum Universitätsjubiläum 1994, Hamburg: April 1994, S. 98. [pdf]

16.06.1967 ab 20.00 „teach-in“ im Audi-max „Studentenverfolgung und Hochschulreform“ (u. a. mit Knut Nevermann, Kai Hermann, Prof. Dr. Röder)

  • SDS HH Mitgliederrundschreiben Nr. 3 – 1967 vom 14.06.1967,[pdf] [Quelle HIS Seifert Materialien]

21.06.1967 SDS HH Organisationsdebatte: Angesichts der starken Mobilisierung nach den Schah-Unruhen setzt im SDS HH die Debatte über die Organisationsfrage ein. Vorgeschlagen wird 1. Einteilung der Mitglieder in Arbeitsgruppen. 2. Nicht die theoretische Schulung, sondern engagierte Aktionen sollten im Vordergrund stehen. Um eine größere Effektivität des SDS zu erreichen, könnten Aktionsgruppen nützlich sein, (Fabig). Arbeitsmethoden der Gruppen: (Sammeln von Literatur: Zeitungsausschnitte, Bücher, Kontakte mit anderen SDS-Gruppen, mit SDS nahestehenden Organisationen, Hochschulgruppen und Professoren; regelmäßiger Rechenschaftsbericht der einzelnen Aktionsgruppen vor der Mitgliederschaft.

  • Protokoll der Mitgliederversammlung SDS HH vom 21.06.1967, [pdf] [Quelle HIS Seifert Materialien]

23.06.1967 Zu den Notstandsgesetzen: Seit Donnerstag, den 23.06.1967 steht vor der Außenwand des Wiso-Gebäudes ein Informationsstand (Wandzeitungen, Bücher, Broschüren u. Flugblätter) bis zum nächsten Donnerstag, und wird dann vom VIETNAM-Informationsstand abgelöst werden. SDSler bitte am Stand zu Verkauf und Diskussion einfinden (zwischen 10-30 und 18.30)!

  • SDS HH Mitgliederrundschreiben Nr. 5 vom 25.06.1967, [pdf] [Quelle: HIS Seifert Materialien]

25.06.1967 Besuch des SDS BV Notstandsreferenten K.H.Roth: Der Notstandsreferent des BV, K. H. Roth, hat uns bei seinem Besuch im SDS-Zentrum dringend gebeten – wie alle anderen SDS-Gruppen – am 28.06.1967 in Bonn an einer großen Notstandskundgebung- und Demonstration teilzunehmen. Wir müssen bereits um 9.00 morgens in Bonn sein. Die Fahrt beginnt um 0.30.vom SDS-Zentrum.)!

  • SDS HH Mitgliederrundschreiben Nr. 5 vom 25.6.67, [pdf] [Quelle: HIS Seifert Materialien]
  • und siehe dazu: Karl-Heinz Roth: Die Notstandsverfassung, in: SDS-Korrespondenz, SDS Bundesvorstand (Hrsg.), Nr. 6, 05.1967, S. 44-47. [pdf]

26.06.1967 „Notstands-teach-in“ Am Montag, den 26.06.1967 um 20.00 Uhr wird im Wiso-Gebäude der AStA, ein „Notstands-teach-in veranstalten. Teilnehmer, AStA, RCDS, SHB u. SDS (Dirk Siefer).

  • SDS HH Mitgliederrundschreiben Nr. 5 vom 25.06.1967,  [pdf] [Quelle: HIS Seifert Materialien]

26.06.1967 SDS Wandzeitungstext - Notstandsgesetze, FZH

  • SDS Hamburg: Auditorium-Minimum : SDS-Wandzeitungstexte I-IV : Auszüge aus den Notstandsgesetzen und Kommentar, Hamburg: 26.06.1967. [pdf] [Quelle: FZH]

27.06.1967 „Beschlagnahmt“ Aktion: Am 27.06.1967 ab 16.00 Uhr wird der SDS sich an der „Beschlagnahmt“ Aktion der Kampagne beteiligen (es werden polizeiverordnungsähnliche Zettel an den Windschutzscheiben der parkenden Autos geheftet). Außerdem werden Flugblätter und „Gasmasken“ an die in die Innenstadt Spazierenden ausgestellt. Alle SDS’ler müssen an dieser Aktion teilnehmen. Jeder sollte andere Gruppen und Studenten zum Mitgehen auffordern; Treffpunkt: am Informationsstand, für Ausrüstung ist gesorgt.

  • SDS HH Mitgliederrundschreiben Nr. 5 vom 25.06.1967 [pdf] [Quelle: HIS Seifert Materialien]

28.06.1967 Notstands Demonstration Bonn: Interessenten (PKW-Fahrer u.a. bis Dienstag um 14.00 bei A. Milz oder am Informationsstand melden). Dringend andere Studenten anheuern! Wir wollen für diese Fahrt einen Bus mieten.

  • SDS HH Mitgliederrundschreiben Nr. 5 vom 25.06.1967,  [pdf] [Quelle: HIS Seifert Materialien]

29.06.1967 Am Donnerstag, den 29.6.67 wird der Vietnam-Infostand errichtet. Verantwortlich ist dafür Peter Flak. Von Anfang der Woche an muß ein umfangreiches Material geordnet und analysiert werden. Die Texte müssen auf die Wandzeitung geschrieben werden. Außerdem müssen viele Schriften abgezogen werden; Schreibkräfte sind besonders gesucht.

  • SDS HH Mitgliederrundschreiben Nr. 5 vom 25.06.1967, [pdf] [Quelle: HIS Seifert Materialien]

30.06.1967 Am Freitag, dem 30.06.1967 wollen wir den amerikanischen Flugzeugträger „Essex“ bewundern.

  • SDS HH Mitgliederrundschreiben Nr. 5 vom 25.06.1967,[pdf] [Quelle: HIS Seifert Materialien]

US-Flugzeugträger „Essex“

30.06.1967: Demonstration des ASTA u.a. Moorweide gegen Bildungsnotstand

03.07.1967 Professoren und Studenten diskutieren im Hauptgebäude der Uni
Auf dem neutralen Boden in der Evangelischen Studentengemeinde Hamburg diskutierten Studenten und Professoren über die Situation an den Universitäten. Insbesondere die fehlenden Stellungnahmen der Professorenschaft zu den Demonstrationen gegen den Schah-Besuch wurden von studentischer Seite kritisiert. Zudem wird mehr Mitspracherecht gefordert. Podiumsteilnehmer waren u.a. die Studenten D.H. Behlmer und Helga Bauer sowie Rektor Schäfer und Prof. von Weizsäcker.

  • Hamburger Abendblatt/eigener Bericht – ga: Professor von Weizäcker warnt vor Bildungsnotstand : 2000 Lehrer und Studenten protestieren in Hamburg, Hamburger Abendblatt, 01.07.1967, S. 1 und S. 3. [Medienarchiv68] [Original pdf: Seite 1, Seite 3]
  • Ursula Weiner: Zwei Stunden lang sagte man sich hart die Meinung : Podiumsdiskussion zwischen Professoren und Studentenschaft, Hamburger Abendblatt, Nr. 152, Hamburg: 04.07.1967, S. 4.  [Original pdf]

04.07.1967 Am 4. Juli um 19.00 Uhr wird eine Vietnam-Kundgebung auf dem Platz vor dem SDS-Zentrum stattfinden. Voraussichtliche Teilnehmer: Peter Schütt, Heike Scholz -Doutinee, Peter Rühmkorf, 1 SDS’ler.

  • SDS HH Mitgliederrundschreiben Nr. 5 vom 25.06.1967, [pdf] [Quelle: HIS Seifert Materialien]

05.07.1967 Bericht im Hamburger Abendblatt über die SDS Vietnam Protestkundgebung

  • Hamburger Abendblatt/wr/ga/cvb: Heute früh 4 Uhr: Leinen los, Flugzeuträger „Essex“ verließ Hamburg, HA, 05.07.1967, Nr.153 S.3 [Original pdf]

07.07.1967 Erste Sitzung der neugebildeten Kommission zur Neuschaffung einer Satzung für die Universität. Studentische Vertreter lehnen weitere Mitarbeit wegen Unklarheiten über die demokratische Legitimation anderer Anwesender und Inkompetenz des Vorsitzenden ab.

18.07.1967 „Es konstituierte sich das ‚Zentrum der Sozialistischen Opposition in Hamburg‘ und einigte sich einstimmig auf folgendes GRÜNDUNGSPROTOKOLL: Sozialistischer Bund (SB), Sozialistischer Deutscher Studentenbund (SDS), Vereinigung Unabhängiger Sozialisten (VUS), Neusozialistischer Bund, Radikalsozialistischer Bund (RSB) und Initiativ-Ausschuß zur Gründung einer sozialistischen Partei (IA) schließen sich zu einem ‚Zentrum der Sozialistischen Opposition in Hamburg‚ zusammen. Ihr gemeinsames Ziel ist die Formierung der bisher zersplitterten sozialistischen Gruppen zur Verteidigung der Demokratie und des Friedens, eine Aufgabe, die dauerhaft nur durch die Schaffung einer sozialistischen Gesellschaft erfüllt werden kann.“

  • Mitgliederrundschreiben Nr. 7 – 1967 vom 23.07.1967, [pdf] [Quelle: HIS Seifert Materialien]

19.07.1967 AStA-Podiumsdiskussion zum Thema „Griechenland: Notstand und Diktatur“

20.07.1967 Wahl zum Studentenparlament.
Wahlbeteiligung: 46 %. Für insgesamt 40 Sitze haben sich 118 Personen beworben. Bei früheren Wahlen war es oft nur schwer möglich, überhaupt so viele Kandidaten/Innen aufzutreiben, wie Plätze zu besetzen waren. 13 der diesmal gewählten Vertreter gehören einer politischen Studierenden-Vereinigung an. Weder dem SDS noch Korporationen gelingt es, Kandidaten durchzusetzen.

Neuer AStA. Nach Kampfabstimmung setzen sich Björn Pätzold (SHB) und Norbert Jankowski („linker Unabhängiger“) durch.

  • AStA UHH/Stefan Micheler und Jakob Michelsen (Hrsg.): Der Forschung? : Der Lehre? : Der Bildung? : Wissen ist Macht! : 75 Jahre Universität Hamburg: Studentische Gegenfestschrift zum Universitätsjubiläum 1994, Hamburg: April 1994, S. 99. [pdf]

21.07.1967 Fortsetzung der Organisationsdebatte auf der Mitgliederversammlung des SDS HH, Anarchie oder Ansatz zur politischen Diskussion
„Hysterische Austrittserklärung, Bedauern und Gleichgültigkeit sind unreflektierte Antworten auf die letzte MV,… Aus dem Ansatz zur politischen Diskussion, der einen überraschend engagierten Willensbildungsprozess in Gang setzte, zogen viele die Schlußfolgerung, es sei die Anarchie ausgebrochen und zitierten die bürgerlichen Ordnungsschemata herbei. Für die politische Arbeit des SDS ist nicht Mitgliedschaft, Sympathie oder Bekenntnis wesentlich, sondern Mitarbeit, egal wie die formale Organisation geregelt ist, Arbeit allein kann das Medium der Organisierung unserer Gruppe sein. D.h. jeder Genosse der will, kann mitarbeiten, mitentscheiden. Das beste Beispiel ist Erhard Neckermann, der im letzten Semester nicht dem Vorstand angehörte, aber sehr die politische Arbeit mitbestimmte und durchführte. Unabdingbar ist aber, daß die Mitarbeit (und sei sie auch nur beratend) über punktuelle Einsätze hinausgehen muß.
Sozialist sein, heißt vor allem, blinder Gesetzmäßigkeit der gesellschaftlichen Entwicklung durch planvolles Handeln entgegenzuwirken, und planvolles Handeln – soll es erfolgreich sein – erfordert Kontinuität der Arbeit. Kein Genosse, keine Gruppierung sollte sich auf bestimmte Ansichten versteifen. Die Probleme werden in der Tat nicht durch Re-Organisation gelöst. Politische Diskussion und politische Arbeit muß jetzt folgen -, für die Blinden sei gesagt: die Auseinandersetzung auf der MV, die eruptive Bewegung ist ein hoffnungsvoller Ansatz; hierbei muss von der bisherigen SDS-Wirklichkeit ausgegangen werden. Wir müssen, trotz des Mangels an theoretischem Wissen und politischer Erfahrung die echte Diskussion für unsere politische Arbeit in der nächsten Zeit wagen“ (A. Milz)

Der alte Vorstand wird entlastet. Es wird ein Führungskollektiv gewählt, dem folgende Mitglieder angehören: H. Ebbinghaus, E. Schmidt, G. Koch, Günter, D. Siefer, K-R. Fabig, E. Zorer, P. Badekow, A. Milz, Helga Beekhuis, E. Neckermann, M. Deter, R. Oberlercher. Zum ersten Landesvorsitzenden wurde Arwed Milz gewählt.

  • SDS HH Mitgliederrundschreiben Nr. 7 vom 23.07.1967, [pdf] [Quelle: HIS Seifert Materialien]

26.07.1967 Fortsetzung der Mitgliederversammlung des SDS HH „Thesen zur Lage“ (Arwed Milz)
… 4. Der starke Mitgliederzuwachs führte zu keiner politischen Stärkung; denn der Hauptgrund für den Beitritt in den SDS, das emotionale Engagement, kann ohne theoretische Schulung nicht politisch effektiv gemacht werden. Die Folge war und ist, daß gerade jüngere Genossen Praxis über Praxis fordern.
5. „Es ist prinzipiell unmöglich, Theorie und Praxis als unabhängig voneinander für lebensfähige Formen zu deklarieren. Beide sind durcheinander bedingt. Vernachlässigen wir die eine, ist es bald mit der anderen schlecht bestellt und umgekehrt.“ (SDS Korrespondenz Nr. 6, S. 31[pdf] [Mao Projekt] )
6. Wenn wir eine bestehende Gesellschaft ganz oder teilweise ändern wollen, wenn wir bestimmte Entwicklungen verhindern wollen, muß diese Gesellschaft, ihre Struktur und Funktion dieser Struktur zunächst begriffen werden. Dieses begreifen leistet die Theorie. Nur wenn ich weiß, nach welchen Prinzipien sich diese Gesellschaft weiterentwickelt, kann ich in diesen Prozeß eingreifen.
7. Auch konkrete Erfahrung in der Praxis kann Bewußtsein über die Gesellschaft vermitteln, doch muß hier eine Ergänzung durch gesamtgesellschaftliche Analysen erfolgen.
8. Das Fehlschlagen der gesteigerten Aktivität im letzten SS 67 lag an der mangelnden Erfahrung und dem geringen theoretischem Wissen der Aktiven. Das theoretische Niveau schließt die Fähigkeit eine Konzeption für den Hamburger-SDS zu entwerfen ein.
9. Die Einsicht über die Notwendigkeit von Theorie – und für sie etwas zu tun – ist vom emotionalen Engagement aufgeweicht.
10. Der SDS Hamburg muß auf sich gestellt intensive theoretische Schulung und auch Forschungsarbeit leisten.
Sicher geht dieses nicht durch Apell noch Erlaß, sondern nur über die Einsicht in die Notwendigkeit solcher Arbeit…

Thesen zur Organisation (Dirk Siefer)
1. Zentrales Organ aller organisatorischen und theoretischen Arbeit wird das Führungskollektiv sein, deren zwölf Mitglieder bereits von der MV gewählt wurden.
2. Das Führungskollektiv entscheidet durch Diskussion und Abstimmung über alle organisatorischen und theoretischen Fragen, Es ist verpflichtet, einen politischen Konsensus herzustellen und das individualistische Gepräge des SDS auf ein erträgliches Maß herabzudrücken. Dazu bedarf es einer Kontinuität der Arbeit….
6. Im Zentrum des SDS entsteht eine neue Arbeitskommune, voraussichtlich setzt sie sich zusammen aus den Genossen; Fabig, Schmidt, Dogas, Neckermann, Seifert, Siefer. Die Arbeitskommune verwandelt das Zentrum in ein arbeitsfähiges Organ der theoretischen Vorbereitung der Aktivitäten des SDS.
7. Über den neuen Arbeitsstil wäre zu sagen, daß die Kulminationspunkte sozialistischer Aktivität die Arbeitstagungen sein werden, auf denen das Ergebnis der einzelnen Arbeitsteams der studentischen Öffentlichkeit vorgelegt werden. Die AT haben den Zweck, politische Zielsetzungen des SDS an Hand exemplarischer Beispiele theoretisch einsehbar zu machen, an einer Bewußtseinsrevolution innerhalb der Universität als organischer Bestandteil der Gesamtgesellschaft zu arbeiten. Das Kollektiv entscheidet über die Gestaltung einer Arbeitstagung.“ Weitere Thesen von Hubert Sumser, Peter Flak.

  • SDS HH Arbeitspapiere vom 24.07.1967 für die MV am 26.07.1967, [pdf] [Quelle: HIS Seifert Materialien]

08.08.1967 Der erste Versuch das Wissmann Denkmal zu stürzen erfolgte am 8.8.1967. Initiiert wurde die Aktion von Mitgliedern des SDS-Hamburg unter Leitung von Dirk Siefert. Der Sturz misslingt.

  • Hamburger Abendblatt: Wissmann Denkmal sollte umgestürzt werden, Studentenaktion gegen Kolonialismus, Bürgermeister Drexelius „etwas verwundert“, HABL. Nr.183 09.08.1967 S.4 [Original pdf]

Über diese Aktion drehten Theo Gallehr u.a. den Film „Landfriedensbruch“.
Dokumentarfilm zu Wissmannsturz:

Teil 1:

Teil 2:

Teil 3:

26.08.1967 Anti Springer Stand, gegenüber dem Stand des Abendblatts, 16.00, Flohmarkt – vorher Treffpunkt im Zentrum, 14.30. Mitglieder, die am Jour-Fix teilnehmen, können im Anschluß ja zum Flohmarkt gehen. Verkauft werden linke Zeitungen (Sozialistische Hefte, Marxistische Blätter usw.), Bücher und Plakette (Peter Schütt, Inge Jahnke, Ernst Zorrer, Sven Papcke u.a.)

  • SDS HH Mitgliederrundschreiben Nr. 8 vom 21.8.67; [pdf] [Quelle: HIS Seifert Materialien]

04.09.1967 22. SDS Delegiertenkonferenz Kritik am DGB

  • Hamburger Abendblatt/United Press International: SDS übt Kritik, Hamburger Abendblatt, Nr. 206, Hamburg: 06.09.1967, S. 10.  [Original pdf]

14.09.1967 Nächtliche Malaktion „Enteignet Axel Caesar Springer, den faschistoiden Zeitungszaren!“
In der Nacht zum 14.09.1967 wird die Umrandung des Wasserbeckens auf dem Campusgeländes der Universität – im Hintergrund der Philosophenturm mit der Parole „Enteignet Axel Caesar Springer, den faschistoiden Zeitungszaren!“ bemalt – (SDS-Schmierereien Universität und Umgebung)

  • Staatsarchiv Hamburg: Signatur: 720-1/2_221-08 = 1967.048. [Link zur Datenbank] Foto: Staatsarchiv Hamburg

15.09.1967 Kurras und Springer rein, TEUFEL RAUS ! ! !
„Am Freitag um 16 Uhr, von der Mensa Eingang A aus, werden wir in die Innenstadt vor das Rathaus sickern, uns dort zu der Buchstabenreihe – Freiheit für Teufel – formieren und dann vor das Strafjustizgebäude ziehen. Dort findet ein Volksgericht gegen Herrn Leddin statt. Da die Justiz in der konzertierten Aktion mit dem Hamburger Senat ein Urteil gegen ihn scheut, werden wir ein Urteil fällen. Leddin rein, Teufel raus: Freitag, am 15. 9. 67, um 16 Uhr, Mensa Eingang A!!! FREIHEIT FÜR TEUFEL SDS – Gruppe Hamburg, 2 HH 13, Von-Melle-Park 17“

  • SDS HH Mitgliederrundbrief: Nr. 9 vom 13.09.1967, [pdf] [Quelle: HIS Seifert Materialien]

16.09.1967 Geldsammlung für weitere Springeraktionen
„Auch am Sonnabend, den 16. Sept. werden wir eine Sammelaktion in der Innenstadt von 11.00 – 14.00 machen. Zur Sammlung wird unsere mittlerweile vielleicht schon bekannte „GEGEN B i l d“ verteilt. Die Sammlung soll Geld und Aufmerksamkeit für weitere Springeraktionen bringen. Wer also auch am Sonnabend um diese Zeit mitmachen will, komme in der angegebenen Zeit zum SDS-Zentrum. „GEGEN B i l d“ und Sammeldosen haben wir genug“

  • SDS HH Mitgliederrundbrief: Nr. 9 vom 13.9.1967, [pdf] [Quelle: HIS Seifert Materialien]

18.09.1967 SDS HH Arbeitspapier der AG: 3. Welt und die Metropolen
Spezialthema zur Situation des China von heute. I. Feudalismus Bauernrevolution im alten China (Peter Müller) II. Imperialismus a. Widerstandskriege gegen den Imperialismus b. Bürgerkriegsperioden III. Sozialismus 1. Der wirtschaftliche Aufbau Chinas seit 49 (E. Neckermann) 2. Der Kampfgegen den Revisionismus a) die Theorie der permanenten Revolution (R.Oberlercher) b) die große proletarische Kulturrevolution (Jahnke) 3. Das Erziehungswesen (Lore Häger) 4. Die Außenpolitik Chinas seit 1949 5. Der chinesisch-sowjetische Konflikt. Zwei Weltrevolutionsmodelle. Die Arbeit der Projektgruppen steht in der Spannung zwischen Theorie und Praxis, zwischen Aufklärung und Aktion. Während der Semesterferien liegt der Schwerpunkt auf der theoretischen Akkumulation; während des Semesters wird die theoretische Akkumulation in der Aktion vermittelt, indem öffentliche Arbeitstagungen, Unterstützungsaktionen usw. durchgeführt werden. Um die theoretische Akkumulation zu erleichtern und gegenseitig zu koordinieren, treffen wir uns am Montag, den 18. Sept. um 18 Uhr im SDS-Zentrum. Da noch einige Themen unbesetzt sind, sollten neue Interessenten ebenfalls kommen. Lang lebe Mao Tse-tung“

  • SDS HH Mitgliederrundbrief: Nr. 9 vom 13.9.1967 [pdf] [Quelle: HIS Seifert Materialien]

21.09.1967 Aufruf des ZENTRUMS SOZIALISTISCHER OPPOSITION 2 HAMBURG 13, Von-Melle-Park 17 zur Solidaritätskundgebung für Mikis Theodorakis und Andreas Papandreou für die griechische Demokratie am Donnerstag, dem 21. Sept. 1967, 20 Uhr, Moorkamp 5 (Guttemplerhaus) Nähe U-Bahn Schlump.

  • SDS Hamburg: Aktionshinweise 30.9.1967 [pdf] [Quelle: HIS Seifert Materialien]

23.09.1967 Sammlung für die Enteignung von Springer
Unter dem Motto „Aktion in der Agitation“ findet am kommenden Samstag zwischen 10.30 – 14.00 eine Sammlung für die Enteignung von Springer statt. Dabei wird die 2. Ausgabe der GEGEN-Bild-Zeitung unter die Massen gebracht, wer die Agitation in der Aktion lernen will, der nehme teil.

  • SDS HH Brief Genossen, Genossinnen vom 20.09.1967, [pdf] [Quelle: HIS Seifert Materialien]

1967 SDS Entwurf Hochschulgesetz (FZH)

1967 SDS Entwurf Hochschulgesetz1967 SDS Entwurf Hochschulgesetz

  • SDS Hamburg: Entwurf eines Hochschulgesetzes, Hamburg: 1967. [pdf] [Quelle: FZH]

26.09.1967 Wissmann Denkmal gestürzt

  • Hamburger Abendblatt: Denkmal gestürzt, Hamburger Abendblatt, Nr. 225, Hamburg: 27.09.1967, S. 3. [Original pdf]

27.09.1967 Versuchter Sturz des Dominik Denkmals durch den SDS. Demonstration vor Amerika Haus. Vietkong Fahne entrollt

  • Hamburger Abendblatt: Polizei schützte Dominik-Denkmal, Hamburger Abendblatt, Nr. 226, Hamburg: 28.09.1967, S. 5.  [Original pdf]

02.10.1967 SDS Arbeitsgruppe Kapital und Rüstung
I. Bundeswehr 1. Soziologie ihrer Entstehung und Entwicklung (Organisation, Selbstverständnis, Strategie, Vorstellungen der Öffentlichkeit, Bündnispartner) 2. Rüstungsökonomie (Einfluss auf die Konjunktur und das volkswirtschaftliche Wachstum – etwa 4 Genossen – II. Funktion der Rüstung und des Krieges im kapitalistische n Weltsystem (USA, Nato, OAS) – etwa 4 Genossen – III. Rüstung im sozialistischen Weltsystem – 1 Genosse – IV. Struktur und Konzeption derzeitiger Kriege (Volksbefreiungskriege: am Beispiel Vietnams, Lateinamerikas, Arabiens, Afrika und Theorie des Volkskrieges nach: Mao, Lin Bia, Giap, Guevara, Debray) – etwa 2 Genossen – V. Abrüstungskonzeptionen – 1 Genosse – Grundlektüre ist Fritz Vilmar: Rüstung und Abrüstung im Spätkapitalismus

  • SDS Hamburg: Arbeitsgruppe Rüstung und Kapitalismus, Hamburg: 02.10.1967. [pdf] [Quelle: FZH]
  • und:SDS Mitglieder Rundschreiben Nr.9 vom 13.09.1967  [pdf] [Quelle: HIS Seifert Materialien]

04.10.1967 Wissmann wieder aufgestellt

Hamburger Abendblatt/ga: Denkmalstürzer sind noch immer unbekannt : Wissmann wieder auf dem Sockel / Dicke Rechnung, Hamburger Abendblatt, Nr. 232, Hamburg: 05.10.1967, S. 10. [Original pdf]

11.10.1967 SDS Springerkampagne Gegenbildzeitung NR. 4 (6 Seiten) erscheint. Inhalt: Analyse über die Unterdrückung Lateinamerikas

  • Gegen Bild  Nr.4 11.10.1967 [pdf] [Quelle: FZH]

13.10.1967 Der AStA beschließt: Die Hochschulkonzeption des AStA-Vorstands soll auch im täglichen Leben durchgeführt werden. Anreden: Bei Rektor nicht mehr „Magnifizenz“, sondern „Herr Rektor“ usw. Kein Fackelzug mehr bei der Inauguration. Der AStA stellt bei Immatrikulationsfeiern der Universität keine studentischen Erstsemester mehr zur Vereidigung

18.10.1967 Verkauf der KU Programme beginnt (FZH)

AStA-INFO Nr. 17 1967

20.10.1967 „FACKELDEMONSTRATION gegen die amerikanische Aggressionspolitik in Vietnam
Am (Freitag) macht die Kampagne für Abrüstung eine FACKELDEMONSTRATION (trotz polizeilichen Verbots) gegen die amerikanische Aggressionspolitik in Vietnam, Treffpunkt um 19.00, Schlüterstraße – Studentenhaus. – Kundgebung um 20.30 auf der Moorweide“

  • SDS HH Mitgliederrundbrief Nr. 1 vom 18.10.67  [pdf] [Quelle:HIS Seifert Materialien]
  • WELT: Protest gegen Vietnam, WELT, Hamburg: 21.10.1967. [pdf]
  • Hamburger Abendblatt: Polizeibeamte ließen sich nicht provozieren : Störversuche während der Vietnam-Demonstration, Hamburger Abendblatt, Nr. 246, Hamburg: 21.10.1967, S. 4.  [Original pdf]

25.10.1967 Eröffnung Republikanischer Club.

EXTRA Republikanischer Club

  • EXTRA: Jetzt auch in Hamburg: Republikanischer Club. Treffpunkt der kritischen Linken, EXTRA : Hamburger Extrablatt, Nr. 3, Hamburg: 25.01.1967, S. 1. [MAO Projekt]

26.10.1967 nächtliche Protestkundgebung des SDS gegen Springer vor dem Hotel Atlantic
Uwe Kestner verhaftet, Knuth Mellentin mit Plakat, Arwed Milz mit Plakat.
Text: „Faschisten suhlen sich im Schlamm am Sonntag“, „Bildung raus und Dummheit rein – BILD verbildet Groß und Klein“. Demonstranten Dietmar Schmidt und Erhard Neckermann vom SDS (Sozialistischen Deutschen Studentenbund) sowie andere Kundgebungsteilnehmer halten Transparente mit der Aufschrift „Hamburger haben es satt, das HAMBURGER ABENDBLATT“ und „Faschisten suhlen sich im SCHLAMM am Sonntag“ hoch, während sie von einem Polizisten mit Megaphon zur Versammlungsauflösung aufgefordert werden (Anti-Springer-Aktionen vor dem Atlantic-Hotel)

Demonstrantin Inge Jahnke und drei namentlich nicht bekannte Kundgebungsteilnehmer bei der nächtlichen Protestveranstaltung – links und rechts werden Anti-Springer-Transparente hochgehalten. Demonstrant Peter Schütt vom SDS (Sozialistischen Deutschen Studentenbund) und ein Polizist vor dem Eingang des Atlantic-Hotels. Demonstrantin Dorothe Otte vom SDS (Sozialistischen Deutschen Studentenbund) und andere Kundgebungsteilnehmer halten bei einer nächtlichen Protestkundgebung vor dem von einem Polizisten bewachten Eingang des Atlantic-Hotels Anti-Springer-Plakate hoch.

Die folgenden Links verweisen auf unterschiedliche Fotos, auf denen verschiedene SDS Mitglieder abgebildet sind. Die Fotos kann man auf Nachfrage bekommen.

26.10.1967 SDS Flugblatt zur Springer Aktion vorm Hotel Atlantic

SDS Flugblatt zur Springer Aktion vorm Hotel Atlantic

  • SDS Hamburg: Springer-Aktion, Flugblatt, Hamburg: 26.10.1967. [pdf] [Quelle: FZH]

 

  • SDS Hamburg/I. Jahnke: SDS : Bericht über die Anti-Springer-Aktion am Donnerstag, dem 26.10.67 vor dem Hotel Atlantic, Flugblatt, Hamburg: 26.10.1967. [pdf] [Quelle: UHH-Archiv]

Novembernacht 1967
Danach haben Mitglieder des SDS (A.E., I.J., R. Chr., K.-H. R. und E.D.) einen weiteren Versuch unternommen Wissmann zu stürzen. Es war eine nächtliche Aktion. Es wurde mit einer Eisensäge versucht, Wissmann oberhalb der Füße abzusägen. Nachdem das dritte Sägeblatt stumpf war, gab man den Versuch Wissmann zu stürzen auf. Immerhin, ein Bein war angesägt.

  • Zeitzeugen: K.H. Roth, Inge Jahnke, Rudi Christian

7./8.11.1967 Bauzaunsprüche
In der Nacht vom 7./8.11.67 feierte der SDS die Oktoberrevolution und malte für die Rektoratsfeier einige Sprüche an die Bauzäune der Uni, z. B. „Ehrlicher wird immer entbehrlicher“, „Unter den Talaren der Mief von 100 Jahren“.

  • Zeitzeugen: H.Behlmer, P.Schütt, A.Milz

9.11.67 Rektoratsfeier im Audimax

Der ehemalige 2. AStA-Vorsitzende H. Behlmer hatte den letztgenannten Bauzaunspruch zuvor gesehen und dichtete ihn in „Unter den Talaren der Muff von 1000 Jahren“ um. Auf der Rektoratsfeier trugen D. Albers und H. Behlmer diesen Spruch auf einem Transparent vor den ins Audi-Max einziehenden Ordinarien her. Der schwarze Stoff zu dem Transparent stmmte noch von der Trauerfeier für den am 2. Juni erschossenen Benno Ohnesorg.

Zum Verlauf der Rektoratsfeier ein Auszug aus dem Spiegel Bericht: Muff im Talar
„Es begann wie im Karneval, Talare wurden zu Narrenkleidern. Als in Hamburg hundert Professoren zum feierlichen Rektorwechsel in das Auditorium maximum einzogen, setzten sich zwei Studenten mit einem Transparent vor den Zug: „Unter den Talaren Muff von 1000 Jahren.“ Es wurde gelacht und gepfiffen. Luftballons stiegen auf, Flugblätter fielen nieder. Es ging weiter wie in einem Krimi: Sieben Tage lang suchten die Studenten einen Professor, der ihnen im Audimax zugerufen hatte: „Sie gehören alle ins Konzentrationslager.“ Am Tatort hatte der Philologiestudent Dr. jur. Wolfgang van den Daele, 28, den Rufer am Talar gepackt und vergebens nach dem Namen gefragt. Am Mittwoch vergangener Woche war der Täter gefaßt und geständig: Bertold Spuler, 55, ordentlicher Professor für Islamkunde. Er beantragte ein Disziplinarverfahren gegen sich selbst. Daß Spuler schon früh zu akademischen Ehren gekommen ist (mit 31 Jahren wurde er ordentlicher Professor), steht in vielen Handbüchern. Freilich ist er auch schon früh zu den Braunen gestoßen…….“

Dokumentarfilme zur Rektoratsfeier:

  • Reinhard Kahl: Unter den Talaren – Muff von 1000 Jahren (DVD)
  • Studentenproteste in Hamburg 1967 Prof. Dr. Rainer Nicolaysen
    im Gespräch mit Staatsrat a. D. Gert Hinnerk Behlmer, Dr. Helga Kutz-Bauer
    und Franziska Hildebrandt am 9.11.2017, 18 Uhr im Audimax 1 der Universität Hamburg
    (Von-Melle-Park 4) [Film-Link Youtube]
  • Dokumentarfilm im NDR-Archiv: Unter den Talaren – Muff von 1000 Jahren – Kritische Universität
  • Foto Unter den Talaren Muff von 1000 Jahren [Foto Link zur UHH] [Quelle: UHH-Archiv]

 

Diese Aktion von D. Albers und H. Behlmer und die Reaktion des Professor Spuhler „Ihr gehört alle ins KZ“ gibt den Anstoß für die Studierenden sich mit der Nazivergangenheit ihrer Professoren zu beschäftigen. Die überholte Ordinarien Herrschaft gerät in die Kritik. Das Transparent wird bundesweit Symbol und Ikone für den Kampf um eine demokratische Universität, die sich auch ihrer Nazivergangenheit stellen muss. Es folgen sofort Informationen und Aktionen zur Aufarbeitung der braunen Vergangenheit der Uni und ihrer Professoren (VV-Resolution zur Aufarbeitung der brauen Vergangenheit – „Weißbuch zur Professorenmoral“, siehe unter dem Datum 17.11.1967); Kritik an der Nazivergangenheit von Spuhler, Wenke, Thielicke und Hoffstätter, s.w.u.

15.11.1967 SDS Flugblatt „Stürzt die Ordinarien – alle Macht den Instituts- und Studentenräten“

  • SDS Hamburg: Ist der AStA der Schwanz des Rektorats?, Hamburg: 15.11.1967. [pdf] [Quelle: UHH-Archiv]
  • Hamburger Morgenpost/pa: Das fordern in Hamburg die Studenten : Der Zopf muß ab!, Hamburger Morgenpost, 10.11.1967. [pdf]

16.11.1967 Turbulente Podiumsdiskussion der Ordinarien unter der Diskussionsleitung von Werhard Otto
Die Studentenvertreter stellen dort die Ordinarien zur Rede. Diese brechen die Diskussion vorzeitig wegen eines Zwischenrufes ab.

  • Hamburger Abendblatt: Gespräch endete mit dem Auszug der Professoren / Protest gegen Studenten-Zwischenruf,Hamburg: Nr.269 17.11.1967 S.3 und S.6  [Original pdf S.3] [Orignal pdf S.6]

17.11.1967 SDS Satire Flugblatt gegen Rektor Ehrlicher,
statt radikaler Hochschulreform unverbindliche Studienreform Flugblatt Auszug

17.11.1967 SDS „Zweiter Schlagabtausch mit der Qualle“

  • vermutlich SDS Hamburg: Zweiter Schlagabtausch mit der Qualle, Flugblatt, Hamburg: 17.11.1967. [pdf] [Quelle: UHH-Archiv]

17.11.1967 Uni Vollversammlung im Audi Max.
In dieser Vollversammlung fokussiert der SDS jetzt nach dem Eklat auf der Rektoratsfeier mit seinem Antrag „Weißbuch zur Professorenmoral“ eingehend die braune Vergangenheit der Professoren. Der Antrag lautet:

„Die Studentenschaft der Hamburger Universität kann sich nicht darauf verlassen, daß diejenigen Professoren, die in der Zeit von 1933 bis 1967 nationalsozialistische und neofaschistische Ideen in Vorlesungen und Schriften vortreten haben, von selbst oder auf Drängen staatlicher oder universitärer Stellen ihre Lehrtätigkeit aufgeben. Universität und Staat dulden nicht nur, sondern fördern die Tätigkeit solcher Professoren, solange diese anonym bleiben. Die Vollversammlung beschließt daher:

1. Eine von Studenten und Assistenten gewählte Kommission erstellt ein „Weißbuch zur Professorenmoral“, in dem die Vergangenheit und Gegenwart u.a. der Professoren Spuler, Wenke, Hofstätter, Hävernick, Schiller, Krüger… wissenschaftlich analysiert und dokumentarisiert wird.

2. Die Kommission erarbeitet eine Liste nazistischer Literatur in den Bibliotheken der Universität und sorgt für die Entfernung dieser Literatur, sofern sie nicht antifaschistischen Lehr und Forschungszwecken dient,

3. Diese Kommission ist heute zu wählen,

4. Vorlesungen von Professoren, die nationalsozialistische Ideen vertraten oder vertraten, werden von den Studenten zu Hearings über diese Professoren umfunktioniert. Nach den Hearings erfolgt die Abberufung der betreffenden Ordinarien, nach Vorlesungsboykott und publizistischer Aktivität. gez. Karl-Rainer Fabig, Petra Sellenschloh, Reinhold Oberlercher“ (Arbeitsstelle für Universitätsgeschichte)

  • SDS Hamburg/Karl-Rainer Fabig, Petra Sellenschloh, Reinhold Oberlercher: Antrag zur Vollversammlung am 17.11.1967 : Weißbuch zur Professorenmoral, Hamburg: 17.11.1967. [pdf] [Quelle: UHH-Archiv]

November 1967 Steckbrief B. Spuler:
11.1967 AStA-Vorsitz Steckbrief „Gesucht von der Studentenschaft“

  • AStA-Vorsitz: Steckbrief : Täter: Berthold Spuler : Gesucht von der Studentenschaft, Hamburg: 11.1967. [pdf] [Quelle: FZH]

17.11.1967 Professor Spuler suspendiert
„Professor Dr. Bertold Spuler, der bei der Rektoratsübergabe am Donnerstag vergangener Woche demonstrierenden Studenten zugerufen hatte „Ihr gehört alle ins KZ!“, ist gestern Abend von seinen Dienstgeschäften vorläufig entbunden worden. Der Präses der Schulbehörde hat sich, wie es in einer Verlautbarung heißt, zu diesem Schritt entschlossen, um der vorgesetzten Disziplinarbehörde Gelegenheit zu geben, die gegen Prof. Spuler erhobenen Vorwürfe gründlich und losgelöst von Augenblicksaktionen prüfen zu können. Prof. Spuler, Direktor des Seminars für Geschichte und Kultur des Vorderen Orients, habe, so heißt es, für diese Maßnahme Verständnis gezeigt, zumal er seine in der Erregung abgegebene Äußerung außerordentlich bedauere.“

  • Hamburger Abendblatt/eigener Bericht: Professor Spuler suspendiert, Hamburger Abendblatt, Nr. 269, Hamburg: 17.11.1967, S. 1. [Original pdf]

20.11.1967 Gründung der Kritischen Universität (KU)

  • Paul Lersch: „Lacht nicht so dumm – hier geht es um Kampf“ : „Kritische Universität auch in Hamburg gegründet – Abweichung vom Berliner Modell?, WELT, Hamburg: 20.11.1967.  [Medienarchiv68] [Original pdf]

20.11.67 Wenkes Nazivergangenheit
In der ASTA-Zeitung Auditorium erscheint eine Vorlesungsrezession von R. Oberlercher über den Erziehungswissenschaftler Prof. Wenke. In der provozierenden Kritik an Inhalt und Didaktik der Vorlesungen von Wenke wird auch auf seine Nazivergangenheit hingewiesen. Nach Solidaritätsbekundungen von Prof. Thielicke und Prof. Hoffstätter weisen die Studierenden auch ihnen ihre braune Vergangenheit nach. Aufklärung und Provokationen folgend aufeinander s.w.u.

  • Reinhold Oberlercher: Wenke- oder die Unmöglichkeit einer Rezension, in: Auditorium, Nr. 50, Hamburg: 20.11.1967, S.11 [Quelle: MAO Projekt]

23.11.1967 Urabstimmung über Rektor Ehrlicher

23.11.1967 Studierendenparlament Antrag - Urabstimmung über Rektor Ehrlicher

  • Gert Hinnerk Behlmer, Holger Oehrens, Wehrhart Otto, Detlev Albers: Urabstimmung über Rektor Ehrlicher, Studierendenparlament der Universität Hamburg, Parlamentsdrucksache Nr. 185, Hamburg: 23.11.1967. [pdf] [Quelle: FZH]

24.11.1967 Podiumsdiskussion im Hamburger Audi Max mit Dutschke, Augstein, Litten, Dahrendorf und Harry Ristock: „Studentenulk oder Notwendigkeit“
Rudi Dutschke diskutiert im Audimax mit Pressevertretern. Die Veranstaltung wird per Lautsprecher und Monitor nach Außen übertragen, Fernsehen und Rundfunk senden die Aufzeichnung der Veranstaltung. Hinter den Diskutierenden auf dem Podium entrollen Studenten ein Spruchband mit der Aufschrift „SPIEGEL, BILD am Montag“.

  • Wolfgang Kraushaar: Die 68er-Bewegung international. Eine illustrierte Chronik 1960–1969, Band 2, Stuttgart: 2018, S. 384 f.
  • Extra/S: Gesucht: 1 Augstein, in: Hambuger Extrablatt, Hamburg: 06.12.1966, S. 4. [Quelle: MAO Projekt]

Dokumentarfilm über die Podiumsdiskussion im Audi Max

25.11.1967 SHB Aufruf zur Griechenland Demonstration
„Wir fordern: Schluss der Folterungen, Freiheit für die politischen Gefangenen, Auflösung der KZ-Inseln, Aufklärung der Rolle, die der CIA in Griechenland spielte, Einstellung jeder wirtschaftlichen und militärischen Hilfe, Distanzierung der Bundesregierung vom faschistischen System…“

  • SHB Hamburg/W. Schmerder, R. Crusius, N. Keilhack, G. Sadowski: SHB : Aufruf zur Demonstration, Flugblatt, Hamburg: 25.11.1967. [pdf] [Quelle: FZH]

November 1967
Ein „Manifest der Hochschulen zur Notstandslage“, das von verschiedenen Asten verfasst worden ist, liegt an der Uni-Hamburg zur Unterschrift aus.

  • AStA UHH/Stefan Micheler und Jakob Michelsen (Hrsg.): Der Forschung? : Der Lehre? : Der Bildung? : Wissen ist Macht! : 75 Jahre Universität Hamburg: Studentische Gegenfestschrift zum Universitätsjubiläum 1994, Hamburg: April 1994, S. 101. [pdf]

November 1967
Die Philosophische Fakultät lässt den Bauzaun vor dem Phil-Turm durch ein nächtliches Polizeiaufgebot vor „Verunzierungen“ schützen.

  • AStA UHH/Stefan Micheler und Jakob Michelsen (Hrsg.): Der Forschung? : Der Lehre? : Der Bildung? : Wissen ist Macht! : 75 Jahre Universität Hamburg: Studentische Gegenfestschrift zum Universitätsjubiläum 1994, Hamburg: April 1994, S. 101. [pdf]

November 1967
Erste Gespräche einzelner SDS-Mitglieder zum Thema: „Gründung einer TRIKONT-Gruppe“.

  • Zeitzeuge: Peter Martin, SDS Mitglied

01.12.1967 Störung der Akademischen Adventsnacht im Hamburger Michel durch den SDS
(Da Thielicke sich mit Prof. Wenke solidarisiert hatte, wollte der SDS mit ihm diskutieren.)
„Der Hamburger Theologenchef höchstpersönlich, Professor Thielicke, der in Unikreisen wegen seines Sportwagens allgemein „Gottes weißer Jaguar“ hieß, hatte am Vorabend des ersten Advents 1967 eine akademische Adventsandacht angekündigt. Wir forderten zum go-in, sit-in und fight-in in den Hamburger Michel auf. Der Ansturm war groß, Freund und Feind und viele Schaulustige strömten in Thielickes Amtskirche…… Vor dem Eingang verkauften wir massenhaft das erste Heft unserer Eine-Marx-Reihe, die „Garstigen Weihnachtslieder“. störungsfrei. Der Aufruhr begann erst beim Vaterunser. Als „der weiße Jaguar“ selber das Gebet des Herrn zu sprechen begann, fielen wir ihm ins Wort:

„Kapital unser, das Du bist im Westen,
amortisiert werde Deine Investition. Dein Profit komme.
Deine Kurse steigen, wie in Wallstreet, also auch in Europa.
Unsern‘ täglich Umsatz gib uns heute
und verlängere uns unsere Kredite,
wie wir sie stunden unseren Gläubigern.
Und führe uns nicht in Konkurs, sondern erlöse uns von den Gewerkschaften.
Denn Dein ist die halbe Welt und die Macht und der Reichtum seit zweitausend Jahren.
Mammon.“

Die Provokation war uns auf Anhieb gelungen. Wir nutzten die Gunst des revolutionären Augenblicks und forderten lautstark „Diskussion“. Aber der Gottesmann …… waren dazu durchaus nicht bereit, sie gingen zum akustischen Gegenangriff über. Thielicke ließ orgeln – auf Teufel komm raus. Aus allen Pfeifen dröhnte die mächtige Michaelisorgel: „Großer Gott, wir loben Dich!“ Und wenn der Choral mit allen Strophen durchgespielt war, begann die Orgel von neuem. Schließlich mußten wir uns von Thielickes übermächtigem Tedeum geschlagen geben und blieben stumm bis zum Schlußgebet.
Das endete allerdings in einem Eklat. Als „der weiße Jaguar“ den obersten Hirten um Segen für seine treue Herde bat und von den „Schafen“ in der Hand des Mächtigen sprach, war es die Stimme eines Einzeltäters, der den vorweihnachtlichen Burgfrieden mit einem einzigen Schmählaut zerbrach. Bei dem Wort „Schaf“ brüllte er laut „Bäh“, und sofort fiel die versammelte Spaßguerilla in diesen Tierlaut ein. „Bäh“, brüllte die halbe Gemeinde, während der andere Teil vergeblich versuchte, mit Unterstützung der Orgel, der „fröhlichen, seligen, gnadenbringenden Weihnachtszeit“ wenigstens im Gesang zum Sieg über die Störenfriede zu verhelfen. In diesem Augenblick standen sich mitten in der Hamburger Hauptkirche zwei unversöhnliche Lager lautstark gegenüber und waren bemüht, sich gegenseitig niederzubrüllen: die einen ihrem Herdentrieb folgend und Tierstimmen imitierend, die anderen voller Wut und Ingrimm Weihnachtslieder singend.“

  • Peter Schütt: Böser die Glocken nie klangen : Wehmütige Weihnachtserinnerungen eines Hamburger Alt-Achtundsechzigers, in: ZEIT, Nr. 52, Hamburg: 20.12.1991. [Die ZEIT]
  • SDS Hamburg: Das Kapital unser, Hamburg: 01.12.1967. [pdf] [Quelle: FZH]

Ein Tondokument zur „Thielike Aktion 1968“ befindet sich im Ordner „Film-/Tondokumente 68“

22. Bundesparteitag der CDU in Hamburg (Helmut Thielicke) 18.-20.11.1973, Bundesarchiv, B 145 Bild-F041435-0032 / Engelbert Reineke / CC-BY-SA 3.0

  • Engelbert Reineke: 22. Bundesparteitag der CDU in Hamburg (Helmut Thielicke) 18.-20.11.1973, Bundesarchiv, B 145 Bild-F041435-0032, CC-BY-SA 3.0. [Bundesarchiv]

Dezember 1967: SDS Boykottaufruf zu Wenke Vorlesungen mit Hinweis auf seine braune Vergangenheit

12.1967 SDS Wenke Vorlesungsboykott

  • SDS Hamburg, ohne Titel (Wenke Vorlesungsboykott), Flugblatt, Hamburg: 12.1967. [pdf] [Quelle: UHH-Archiv]

06.12.1967 SDS Mitglieder Rundbrief Aufforderung zur Wenkevorlesung zu gehen und mit Oberlercher solidarisch zu sein. Hinweis auf die SDS-Info-Veranstaltung am 8.12. zum Thema „Revolte wozu?“ zu gehen. Referate von A. Milz über die Entwicklung der Ereignisse und Aktionen seit der Rektoratsfeier und K.H. Roth zur SDS Hochschulpolitik

  • SDS Hamburg/Arwed Milz: Solidarität mit Oberlercher!, SDS Rundbrief, Hamburg: 06.12.1967. [pdf] [Quelle: FZH]

07.12.1967 SDS Flugblatt: Der Asta – wieder Schwanz des Rektorats

  • SDS Hamburg: Der AStA wieder Schwanz des Rektorats, Flugblatt, Hamburg: 07.12.1967. [pdf] [Quelle: UHH-Archiv]

08.12.67 SDS Veranstaltung „Revolte wozu?“
Am Freitag 19.00, Mensa B veranstalten wir einen Informationsabend über unsere Hochschulpolitik. Arwed Milz wird einleitend die Ereignisse und Aktionen seit der Rektoratsfeier interpretieren, daran schließt sich ein Referat von Karl Heinz Roth über die Perspektiven der Hochschulpolitik des SDS – Hamburg an. Karl-Rainer Fabig wird die Diskussion leiten.

  • SDS HH: Rundbrief vom 6.12.1967,Hamburg: [pdf] [Quelle: HIS Seifert Materialien]J.

08.12.67 Handfester Krach zwischen Professor Wenke und Studenten,  Auszug Hamburger Abendblatt
Autor: Ursula Weiner

„Im Audimax drängten sich gestern Nachmittag 1500 Studenten, aber die Vorlesung Prof. Wenkes über den „Aufbau des Erziehungs- und Bildungswesens“ fand nicht statt. Der Direktor des Pädagogischen Instituts ließ bestellen, daß er sich in dieser Situation außerstande sehe, seine Vorlesung zu halten. Die Situation Im Audimax deutete in der Tat eher auf ein „Happening“ als auf eine Vorlesung. Spruchbänder, Sprechchöre, Flugblätter, Beifall, Buhrufe und Zischen verwandelten ‚ Hamburgs repräsentativsten Hörsaal wieder einmal in einen brodelnden Kessel, in dem nicht stattfand, was die Studenten erhofften: die Vorlesung und eine vom AStA geforderte Entschuldigung Prof. Wenkes, der den Studenten Reinhold Oberlercher, Starfunktionär des Hamburger SDS, aus seinem Hauptseminar gewiesen hatte…..

  • Ursula Weiner: Wieder wurde das Audimax zum brodelnden Kessel : Handfester Krach zwischen Professor Wenke und Studenten, Hamburger Abendblatt, Nr. 286, Hamburg: 08.12.1967, S. 4. [Medienarchiv68] [Original pdf]

11.12.1967 Vortrag von Professor Giese über die Sexualität Westdeutscher Studenten in dieser Zeit

  • AStA UHH: Sexuelle Revolution der Studenten, Hamburg: 11.12.1967. [pdf] [Quelle: UHH-Archiv]

11.12.1967 Professor Thielicke verzweifelt am Verhalten der Studenten

  • Hamburger Abendblatt/eigener Bericht – U.W.: „Ich verzweifle am Verhalten der Studenten“ : Prof. Thielicke stellt sich vor Prof. Wenke, Hamburger Abendblatt, Nr. 289, Hamburg: 12.12.1967, S. 1. [Medienarchiv68] [Original pdf]
  • Hamburger Abendblatt/U.W.: Thielicke: Auch damals fing es mit Terror an, Hamburger Abendblatt, Nr. 289, Hamburg: 12.12.1967, S. 3. [Medienarchiv68] [Original pdf]

13.12.1967 SDS Dossier zur Hochschulpolitik (12 Seiten)
Nach der Analyse der hierarchischen Strukturen der Ordinarienuniversität und der damit verbundenen feudalen Herrschaftsordnung (S. 1) fordert der SDS die Demokratisierung der Universität: Beseitigung der korporativen Struktur der Hochschule, Abschaffung des Lehrstuhlprinzips, Umgliederung der Fakultäten in sie zusammenfassende Abteilungen. Treibender Motor für diese Veränderungen sind die Studenten. “Unsere Waffe ist nicht mehr der kritische Dialog mit dem Ordinarius, sondern die direkte Aktion, durch die wir die bestehende reaktionäre Hochschulordnung so lange übertreten, bis keiner der Betroffenen sie mehr als existent betrachtet.“

  • SDS Hamburg Arbeitskreis Hochschulpolitik: Revolte – wozu? : Perspektiven unserer Hochschulpolitik, Hamburg: 13.12.1967. [pdf] [Quelle: UHH-Archiv]

14.12.1967 Wenke Vorlesung abgebrochen

  • Welt/bh: Prof. Wenke mußte seine Vorlesung abbrechen : Krawall im Auditorium maximum, Welt, Hamburg: 15.12.1967. [pdf] [Medienarchiv68 (fehlt)]
  • Hamburger Abendblatt/U.W. – ff: Der AStA um ein Haar gestürzt – Prof. Wenke brach die Vorlesung ab : Björn Pätzold rief zur Mäßigung auf, Hamburger Abendblatt, Nr. 292, Hamburg: 15.12.1967, S. 3. [Original pdf]

15.12.1967 Akademischer Senat tagt unter Protest im Magazin der Staatsbibliothek
Thema: Beteiligung der Studenten und des Mittelbaus an den hochschulpolitischen Entscheidungen. Studenten werden von der Sitzung ausgeschlossen. An der Hintertür des Magazingebäudes versucht der SDS erfolglos einzudringen.

  • Hamburger Abendblatt/ -ff: AStA und Dozenten einig: Gemeinsam an die Reform : Akademischer Senat tagte im „Bücherturm“/Wieder Krawall, Hamburger Abendblatt, Nr. 293, Hamburg: 16.12.1967, S. 3. [Original pdf]

18.12.1967 Philosophie-Professoren solidarisch mit Wenke
Die Philosophische Fakultät steht zu den Schritten, die Prof. Wenke im Zusammenhang mit dem Fall Oberlercher zur Wahrung seiner und damit auch seiner Kollegen Selbstachtung und zur Wahrung des akademischen Rechts unternommen hat.“

  • Hamburger Abendblatt/eigener Bericht – U.W.: Philosophie-Professoren mit Wenke solidarisch, Hamburger Abendblatt, Nr. 294, Hamburg: 18.12.1967, S. 1. [Medienarchiv68] [Original pdf]

24.12.1967 In Hamburger Kirchen verteilen Studenten des „Theologischen Seminars der Kritischen Universität“ während des Heiligabend-Gottesdienstes Flugblätter. In diesen fordern sie Christen auf, zur aktuellen Lage Stellung zu nehmen: „Die meisten Christen in der Bundesrepublik schweigen über Vietnam. Helfen Sie mit, diesem Schweigen ein Ende zu machen, damit wir nicht wieder schuldig werden, weil wir geschwiegen haben. (…) Wir können nicht in den Gottesdiensten den Gott der Liebe bekennen, wenn wir nicht gleichzeitig protestieren gegen das Morden in der Welt.“ In der Mitternachtsmesse, die in der gegenüber der Speicherstadt gelegenen Hauptkirche St. Katharinen abgehalten wird, taucht sogar ein veritabler Weihnachtsmann auf, allerdings einer, mit umgehängter Maschinenpistole.

Hamburger Abendblatt: Weihnachtsfrieden und der Krieg in Vietnam, Aktuelle Predigt des Landesbischofs D.H.-O. Wölber, Hamburg: Nr.300 27.12.1967 S.3 [Original pdf]

30.12.67 SDS-Gruppe an der Akademie für Wirtschaft und Politik (Der Landesverband des SDS Hamburg bestand aus der SDS-Gruppe an der Uni und der SDS-Gruppe an der AWP.):

Thesen zum Selbstverständnis des SDS (Auszugsweise)
„Der SDS versteht sich als einzige intakte unabhängige sozialistische Opposition in der Bundesrepublik. Daraus ergeben sich weitreichende Konsequenzen für unsere Arbeit.“ Es folgt eine längere Analyse über den „Kapitalismus unserer Epoche“. Die daraus abgeleitete Konkretisierung lautet: „1. Verteidigung der Restdemokratie mit allen Mitteln, um die Plattform und Ansatzpunkt für 2. Strukturreformen auf wirtschaftlichem und politischem Gebiet zu erhalten (siehe Mandel: Neokapitalismus) 3. Internationale Kooperation mit sozialistischen Organisationen, primär Westeuropas… Eine der wichtigsten Funktionen … des SDS innerhalb der sozialistischen Linken in der BRD besteht darin, im Rahmen der wissenschaftlichen Tätigkeit an der Universität konkrete gesellschaftliche Analysen (Staat – Wirtschaft – Betrieb -Gesellschaft) zu erarbeiten und diese einer interessierten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. … Solche Analysen erlauben erst, an die vorhandenen Bewußtseinszustände der Gesamtbevölkerung anzuknüpfen und zunächst durch gezielte Aktionen, (verstehbare Provokationen als Hilfsmittel zur Aufklärung, die unsere Hauptaufgabe bleibt) eine für sozialistische Argumentation zugängliche Öffentlichkeit zu schaffen….

III. Die notwendige Diskussion der Organisationsfragen müßte die Erfahrungen der Arbeiterbewegung mit Organisationsformen berücksichtigen. Besonders die Verselbständigung der Parteiapparate in der SPD und im Stalinismus zu berücksichtigen, die vom Mittel zur Durchsetzung von Zielen der Arbeiterbewegung zum reinen Selbstzweck wurden. Es dürfte aber klar sein, daß politische Bewegungen ohne Organisation zum Scheitern verurteilt sind. Nur gilt es, solche Formen zu finden, die folgende Prinzipien berücksichtigen: 1. Freiheit der Diskussion – Das Recht auf Fraktionsbildung 2. Verbindlichkeit der Mehr[heits?]beschlüssen, besonders hinsichtlich der Durchführung von Aktionen. Dieses Prinzip darf keinesfalls das Recht der Minderheit beschränken, ihre Meinung zu vertreten. Diese bewußte Disziplin, die auch die Minderheit zu akzeptieren hat, leitet sich her aus der sozialistischen Zielsetzung, Einheitlichkeit in der Aktion potenziert die eigene Stärke und hilft, die an dem ganzen Kräfteverhältnis einer Situation gemessene faktische Schwäche zu relativieren. Werden Mehrheitsbeschlüsse durchgeführt, die sich als fehlerhaft erweisen, so kann diese Mehrheit aus Fehlern lernen, wenn die Freiheit der Diskussion garantiert bleibt.

IV. Internationale Solidarität muß sich äußern in Aufklärung über die Kolonialrevolution und deren Unterstützung durch uns, sowie in kritischer Darstellung der Entwicklung der sozialistischen Staaten und der sozialistischen Bewegungen in den kapitalistischen Staaten (Dänische Soz. Volkspartei, EU, PSIUP, KPF etc.). Die wirksamste Solidarität mit allen progressiven Kräften in der Welt ist der Aufbau einer funktionsfähigen sozialistischen Opposition in der BRD, die durch ihren Kampf verhindert, daß sich die herrschenden Klasse der BR an konterrevolutionären Abenteuern der Weltreaktion beteiligt. Der Kampf gegen den Antikommunismus ist unbedingt weiterzuführen.

V. Schlußfolgerung. Der SDS versteht sich als Teil der sozialistischen Arbeiterbewegung und ist sich bewußt, daß nur durch Mobilisierung der Masse der abhängig Beschäftigten sozialistische Ziele erreichbar sind.“

  • SDS-Gruppe an der Akademie für Wirtschaft und Politik: Thesen zum Selbstverständnis des SDS, Hamburg: 01.1968. [pdf] [Quelle: FZH]

01.1968 Die Gruppe Roter Morgen um Ernst Aust ruft zur Zusammenarbeit aller fortschrittlichen Linken Marxisten-Leninisten auf

Roter Morgen, Marxisten Lenisten Westdeutschlands vereinigt euch, Hamburg: Jan. 1968, S. 1-3 [pdf] [Quelle:Mao Projekt]

02.01.1968
Dossier SDS (19 Seiten): der Fall Wenke (A. die faschistische Pädagogik Wenkes, / B. die postfaschistische Pädagogik Wenkes / C. Thielickes Engagement für Wenke )

  • SDS Hamburg: SDS Der Fall Wenke, Hamburg: 02.01.1968. [pdf] [Quelle: FZH]

03.01.1968 SDS HH Flugblatt E. Neckermann: Ankündigung von Veranstaltungen der Kritischen Universität zu China (8.1.;10.1.;12.1.)
„Wenn Ihr die Theorie und die Methoden der Revolution kennenlernen wollt, müßt ihr an der Revolution teilnehmen.“ Mao Tse-tung Über die Praxis.

Am Montag den 8.1.68 analysiert PETER MÜLLER (Sinologiestudent) die revolutionäre Tradition im alten China. Dabei wird er vor allem die Bauernrevolten und ihre Ursachen darstellen und auf den Revolutionsbegriff eingehe. Am Mittwoch den 10.1.68 knüpft WOLF SCHENKE (Herausgeber der neuen Politik) daran an und zeigt die sozialökonomischen Ursachen der chinesischen Revolution anhand der Parrteigeschichte der KP Chinas und der historischen Ereignisse seit 1911… Am Freitag dem 12.1.68 wird die große Proletarische Kulturrevolution dargestellt. JOACHIM SCHICKEl (NDR) beleuchtet die theoretischen Aspekte, JERG HAAS und ROSHAN DJUNJIBHOY werden über ihre konkreten Erfahrungen während der Kulturrevolution berichten. (FZH)

  • Erhard Neckermann, Inge Jahnke: ohne Titel, Hamburg: 03.01.1968. [pdf] [Quelle: FZH]

06.01.1968 Die Jour-Fix des SDS finden nun im Keller des SDS Zentrums – von-Melle-Park 1 – statt

  • SDS HH Mitgliederrundbrief v. 30.12.1967, [pdf] [Quelle: HIS Seifert Materialien]

Davor fanden sie im 1. Stock, in einem kleineren Raum statt. In diesem Keller fanden die Diskussionen, Vorbereitung der Aktionen und die Herstellung der SDS-Medien statt (Flugblätter, Plakate, Wandzeitungen). Hier trafen sich nicht nur SDS-Mitglieder und die Sympathisanten, auch Jour-Fix für Lehrlinge und Schüler*innen wurden hier durchgeführt. In seinem biografischen Roman
„Heißer Sommer“ von Uwe Timm, heißt er nur der „Keller“.

G. Zint - Ein Blick in den Keller bei einem späteren „Notstandshappening“. Der Kellereingang ist direkt neben dem heutigen Eingang ins „Abaton-Kino“.

  • Foto: G. Zint – Ein Blick in den Keller bei einem späteren „Notstandshappening“. Der Kellereingang ist direkt neben dem heutigen Eingang ins „Abaton-Kino“.

08.01.1968
SDS nimmt Stellung und erklärt: „Fall Wenke wozu?“
Fazit: „Die Studentenwerden überall dort die Vorlesungen in Diskussionsforen umwandeln, wo professorale Solidarität sich als Solidarität der Ordinarien im Kampf um ihre Privilegien sich manifestiert.

  • SDS Hamburg: Fall Wenke – Wozu?, Stellungnahme, Hamburg: 08.01.1968. [pdf] [Quelle: UHH-Archiv]

10.01.1968 Uni Vollversammlung im Audi Max „Muss die Universität geschlossen werden?“

  • AStA UHH/Thomas M. Walde: Heute Mittwoch, 10.01.1968, 13.10 Uhr Audimax : Vollversammlung : Muß die Universität geschlossen werden?, Hamburg: 10.01.1968. [pdf] [Quelle: UHH-Archiv]

10.01.1968
Der SDS veröffentlicht seine Hochschulkonzeption und sein Wahlprogramm (22 Seiten). Der SDS fordert statt Drittelparität eine Parität von 50% Studenten und 50% Dozenten in sämtlichen Institutionen der Universität. „Die strukturelle Parität ist also Hebel für eine radikale Hochschulreform, die wir als Ausgangspunkt für eine ebenso radikale Demokratisierung der übrigen Gesellschaft betrachten.“ Die KU dient ausschließlich diesem Ziel.

  • SDS Hamburg: Hochschulkonzeption und Wahlprogramm des SDS, Hamburg: 10.01.1968. [pdf] [Quelle: FZH]

12.01.1968 SDS Flugblatt zum Medizinerball im Hotel Atlantic:
„größtes gesellschaftliches Ereignis dieses Standes. An diesem Abend – sammelte die Fachschaft für zivile Opfer der chemischen und bakteriologischen Kriegführung in Vietnam – ließ mancher einen Hunderter für Wein und Sekt springen, – waren Spitzenverdiener der Medizin mit einem jährlichen Steueraufkommen von über einer Million anwesend. Ertrag der Sammlung: Ein Kuvert mit 40 DM, ein Kuvert mit zwei Pfennigen. In Eppendorf liegen Napalm verbrannte Kinder. Die Moral dieser Mediziner ist ein Popanz. Die Moral dieser Mediziner ist die Moral von Bomberpiloten in Vietnam. Die Moral dieser Mediziner ist die Moral von Auschwitz. Vielleicht sollte man beim nächsten Medizinerball ein bißchen Napalm streuen. Harald Ebbinghaus –Karl-Heinz Fabig – Folker Stöwsand “

  • SDS/Harald Ebbinghaus, Karl-Heinz Fabig, Folker Stöwsand: 12. Januar – Medizinerball im Hotel Atlantic : größtes gesellschaftliches Ereignis dieses Standes, Flugblatt, Hamburg: 12.01.1968. [pdf] [Quelle: FZH]

13.01.1968 Flugblatt Christenpflicht in Sachen Thielicke

  • Verfasser unbekannt: Christenpflicht in Sachen Thielicke, Flugblatt, Hamburg: 13.01.1968. [pdf] [Quelle: FZH]

13.01.1968 Störung der Thielicke Predigt im Hamburger Michel. Schutz durch 70 Bundeswehrsoldaten.

  • Hamburger Extrablatt: Angst auf der Kanzel / Thielicke liess ihnen eins orgeln, Hamburg Nr.1, 25.01.1968 S.3 [pdf] [Quelle: Mao Projekt]
  • Hans Jürgen Quest: Was ist wirklich geschehen im Hamburger Michl?, Hamburg: Die Welt 25.1.1968; [pdf]
  • Der Spiegel: Kirche Hamburg / Platte abgelaufen, Hamburg: Nr. 5, 29.1.1968 S.37-38 [pdf]

Dieser Vorfall kommt in der ersten Bundestagsdebatte über die studentische Protestbewegung zur Sprache. So lobt der CDU Bundestagsabgeordnete Richard Jäger den Bundeswehreinsatz in der Kirche: er spricht den Soldaten seinen Dank aus „da sie die Ruhe, die Ordnung und die Heiligkeit des Gottesdienst gewahrt haben…(viel Beifall)..sie haben das Leitbild des Bürgers in Uniform in die Wirklichkeit …umgesetzt…, sie haben Mut gezeigt und alle Demokraten Mut gemacht, an diesem Vorbild orientiert, rufen wir jedem Minister, jedem Rektor und jedem Polizeipräsidenten zu: „Landgraf werde hart“.

  • Deutscher Bundestag: Aktuelle Stunde Studentenunruhen — Provokationen und Störaktionen extrem radikaler Gruppen, Bonn: 09.02.1968 S.7887-7888 [pdf] [Quelle: Deutscher Bundestag]

Dokumentarfilm zur Bundestagsdebatte
S. Debatte im Bundestag 1968 zur Thielickeaktion des SDS – „Landgraf werde hart“ auf dieser Homepage im Ordner „Film- und Tondokumente zu 68“

15.01.1968 Flugblatt zum Fall Thielicke „Was will der SDS unter der Kanzel?
Statt der ‚Internationale‘ singen „Wohl denen, die da wandeln vor Gott in Heiligkeit“? Mal statt Wenke wieder einen redenden Professor hören? Seine Intention ist unklar geblieben; es bietet sich eine große Möglichkeit, sie darzulegen: Heute, im Gemeindehaus St. Michaelis wird der SDS im Rahmen einer Diskussion über die Predigt von Herrn Professor Thielicke Klarheit geben über: Was stellt sich der SDS unter Christentum vor? Warum sucht er sich diesen Prediger und diese Gemeinde aus? Heute Abend 20.00 Uhr wird der SDS sachlich Auskunft geben. Heute Abend: come-in beim Michel. Merke: Wer lächelt statt zu toben ist immer der Stärkere (Quellen östlicher Weisheit) Gruppe 7 – H. Westphal 15.1.68“ (Arbeitsstelle Universitätsgeschichte)

H. Westphal: Was will der SDS unter der Kanzel? Hamburg: SDS Flugblatt 15.01.1968 [pdf] [Quelle: Archiv Uni HH]

15.01.1968 Kritische Universität Info Nr.1
Die KU Vollversammlung ist oberstes Organ der KU. Sie entscheidet über die Anträge des KU Rates. Alle Kolloquien entsenden zwei Vertreter in den KU Rat.

J. Guiterrez, KU Rat: KU Info Nr.1, Hamburg: Flugblatt [pdf] [Quelle: FZH]

18.01.1968 SDS Aufruf
Die Studenten sammeln sich am Donnerstag den 18.1.1968 nach dem KU Seminar über Wenkes Pädagogik und begeben sich anschließend zum Rathaus zum Bürgerschaftshearing

  • Hermann Ziegenbein, KU-Rat: Wenke Resolution, Hamburg: Flugblatt 18.01.1968 [pdf] [Quelle: Archiv Uni HH]

26.01.1968 Disziplinarverfahren gegen 4 SDS Mitglieder wegen Störung der Wenke-Vorlesung

  • Thomas Walde: In Sachen Disziplin /Das Exempel wird statuiert, Hamburg: ASTA Sonder Info Nr.25, 26.01.1968 [pdf] [Quelle: Archiv Uni HH]
  • G.H. Behlmer, Björn Pätzold, Norbert Jankowski: SDS-Disziplinarverfahren, ASTA Sonderinfo Nr.26, 26.01.1968 [pdf] [Quelle: Archiv Uni HH]
  • Walter Grosser: Fünf sollen vor den Kadi Grund: Studenten befolglten Rektor-Anweisung nicht, Hamburg: Bild, 26.1.1968 S.5 [pdf] Mit Fotos von Neckermann, Oberlercher, Roth und Milz

06.02.1968 Erklärung des SDS HH zum Fall Hofstätter (6 Seiten)
Das Dokument enthält kritische Auseinandersetzung zu Hofstätters wissenschaftlichen Positionen vor und nach dem zweiten Weltkrieg.

  • SDS Landesverband Hamburg: Erklärung zum Fall Hofstätter, Hamburg: Flugschrift 06.02.1968  [pdf] [Quelle: FZH]

30.01.1968 (35. Jahrestag der NS-Machtergreifung) SDS-„Teach In“ in der Psychologievorlesung von Prof. Hoftstätter über seine braune Vergangenheit
Hintergrund: Der SDS Bundesvorstand hatte die Parole ausgegeben: „Organisieren wir den Ungehorsam gegen die Nazis. Leisten wir Widerstand gegen ehemalige Nazi-Richter, Nazi-Staatsanwälte Nazi-Gesetzgeber aller Couleur,Nazi-Polizisten, Nazi-Beamte, Nazi Verfassungsschützer, Nazi-Lehrer, Nazi-Professoren, Nazi-Pfaffen, Nazi-Journalisten, Nazi-Propagandisten und Nazi-Bundeskanzler. Mobilisieren wir die Anti-Nazi Kampagne!“

  • Peter Schütt „Entwicklung der demokratischen Bewegung an der Universität Hamburg im WS 67/68“ in Blätter für dt. und internationale Politik 4/1968 S.382 [pdf]

31.01.1968 SDS Flugblatt zur Vernehmung der Universitätsbürokratie

  • SDS Hamburg: Vernehmung der Universitätsbürokratie / Auf zum Hauptgebäude, Hamburg: Flugblatt, 31.01.1968 [pdf] [Quelle: FZH]

02.1968 Flugblatt SDS: HH Hofstätter noch reaktionärer als Wenke (FZH)

„Der Durchbruch des nordischen Glaubens mußte also die Psychologie treffen, denn in ihren Fundamenten sind fremdrassige Anschauungsweisen eingemauert.“ (S.566) „Die Eignungsuntersuchungen, wie sie heute seitens der Wehrmacht, der Arbeitsämter und durch einzelne Industrien vorgenommen werden, sind dazu nur ein Anfang. Wie E.R. Jensch einmal angedeutet hat, ist die Psychologie dazu berufen, sich in den Dienst völkerpolitischer Eugenik zu stellen.“ (S.573)

  • Zitate aus „Deutschlands Erneuerungen“, 23. Jg. Heft 11, 1943, J.F. Lehmanns Verlag
  • Aufsatz Hofstätters zum Thema „Die Krise der Psychologie“ auszugsweise abgedruckt im SDS Flugblatt vom Februar 1968 [pdf] [Quelle: FZH]

Februar 1968: Akademischer Senat lehnt Gleichstellung der studentischen Vertreter ab.

  • Studentische Gegenfestschrift zum 75 Universitätsjubiläum, 1994 Hg. Micheler, Stefan; Michelsen Jakob, S.104 [pdf]

05.02.1968 Anonymes Flugblatt an die Studenten Wirtinnen

AN DIE STDENTEN WIRTINNEN

  • Flugblatt: an die Studenten Wirtinnen [Quelle: Archiv Uni HH]

05.02.1968 „Bürger fragen – Studenten antworten“.
Hamburger Bürger/Innen werden vom AStA eingeladen, Fragen an studentische Vertreter zu richten.

  • Dokumentarfilme zu „Bürger fragen – Studenten antworten“
  • NDR-Filmarchiv: „Hochschulereform, Oberlercher Wenke, Bürger Studentendiskussion“

05.02.1968 Kritische Universität: Vollversammlung, die KU fordert eine neue Autonomie der Universität

  • KU-Rat: Ku Vollversammlung, Hamburg: KU Info Nr.4, 05.02.1968 [pdf] [Quelle: Archiv Uni HH]

Dokumentarfilm über die Kritische Universität

NDR – Filmarchiv: Kritische Universität

Foto: G. Zint
Typische Vollversammlungssituation…. wegen Überfüllung sitzen die Teilnehmer auch auf dem Podium des Audi-Max

Typische Vollversammlungssituation…“zur Geschäftsordnung“ Foto: G. Zint

06.02.1968 Fachschaft Psychologie stellt sich hinter Professor Hofstätter:
Der Vorwurf, Hofstätter vertrete faschistisches Gedankengut, sei für seine Publikationen nach 1945 nicht haltbar.

  • Studentische Gegenfestschrift zum 75 Universitätsjubiläum, 1994 Hg. Micheler, Stefan; Michelsen Jakob, S.104 [pdf]

08.02.1968 Das Studentenparlament wählt einen neuen AStA-Vorstand, der im April sein Amt antreten soll: Norbert Jankowski (SHB) und Jens Litten (SHB)

Auditorium–Zeitung des ASTA: Parlamentswahlen WS 67/68, Hamburg: Jan/Februar 1968, Nr.52 S.3 [pdf] [Quelle: Mao Projekt]

08.02.1968 Spuler lehrt wieder an der Uni.
Im Mai 1968 erhält Prof. Spuler dann lediglich einen Verweis, weil er den Satz „Ihr gehört alle in ein KZ“ aus der situationsbedingten Erregung gesagt habe.

  • Bild: Der Professor darf wieder an die Uni, Hamburg:  8.2.1968 [pdf]
  • Berliner Morgenpost: Verweis für Professor, Hamburg: 04.05.1968 S.2 [Original pdf]

09.02.1968 Beschlagnahmung von Flugblättern des SDS für die SDS Vietnam Demonstration am 9.2.68

Arwed Milz: Wird der SDS verboten? Hamburg: SDS Flugblatt 09.02.1968 [pdf] [Quelle FZH]

09.02.1968  SDS Vietnam-Flugblätter zur Vorbereitung der Demonstration am 09.02.1968

  • SDS „Aufruf an die Arbeiter“ [pdf] [Quelle: FZH]
  • SDS HH Aufruf f. Schüler wg. Vietnam Demonstration [pdf] [Quelle: FZH]
  • SDS Flugblatt „Amis raus aus Vietnam“ [pdf] [Quelle: FZH]
  • SDS Flugblatt f. Schüler [pdf] [Quelle: FZH]
  • SDS Flugblatt „Che lebt“ Aufruf Vietnam Demo[pdf] [Quelle: FZH]

09.02.1968 Aufruf RSB Radikal Sozialistischer Bund zur Vietnamdemo

  • Inge Jahnke: Gewerkschaftler, Hamburg: RSB Flugblatt [pdf] [Quelle: FZH]

09.02.1968 Ankündigung des Springer Hearings im Ernst Reuter Saal

  • Anonymer Verfasser: Ohne Überschrift, Berlin: 09.02.1968 [pdf] [Quelle: Mao Projekt]

Am 9.2.68 war in Berlin ein großes Springer Hearing geplant. Die Hetze gegen die Protestbewegung und die Medienmacht des Springerkonzerns sollten durch prominente Wissenschaftler und Politiker beleuchtet werden. Man hoffte über ein solches Hearing auch konkrete Medien einer Gegenöffentlichkeit entwickeln zu können. Das Hearing war gut vorbereitet. Rudi Dutschke, der Komponist Hans W. Henze u.a. warfen in der Nacht vor dem Hearing bei 7 „Berliner-Morgenpost“ Filialen die Scheiben ein. Die Springerzeitungen titelten tags darauf „Kristallnacht“ und Karikaturen mit Steine werfenden SA Männern. Prompt hagelten Absagetelegramme und -briefe ein. Fast alle Prominenten sagten ab. Nur Kogon und Kuby standen weiter zur Verfügung. Das Hearing, wie die ganze Antispringerkampagne war damit fast tot.

  • siehe dazu Peter Schneider: in „Rebelllion und Wahn“, S. 246

Die tragische Paradoxie: Das Attentat auf Rudi Dutschke puschte die Antispringerkampagne auf einen neuen Höhepunkt.

09.02.1968 Vertagung Springer Hearing

  • Studentenvertretung der TU: Warum wurde das Springer-Hearing vertagt?, Berlin: Flugblatt 13.02.1968 [pdf] [Quelle: Mao Projekt]

09.02.1968 Teach in und Demonstration zum Vietnamkrieg
Nach einem Teach-In in der Uni Hamburg folgt eine Vietnam-Kundgebung des SDS mit 2000 Teilnehmern auf der Moorweide. Danach versuchen Demonstranten den Verkehr am Dammtor-Bahnhof zu blockieren. Anschließend ziehen die Demonstranten über den Hauptbahnhof zum Springer Haus und versuchen die Auslieferung der Zeitungen zu blockieren. Ein Zeitungswagen wird beschädigt, zwei Fahrer werden leicht verletzt. Im Hauptbahnhof kommt es zum Einsatz von Bundeswehrsoldaten.

Peter Schütt (SDS) berichtet, „am Semesterende fand zur Vorbereitung des Berliner Vietnamkongresses eine eindrucksvolle Solidaritätskundgebung für die vietnamesische Revolution statt, an der über 3000 Studenten, Schüler und Arbeiter teilnahmen. Eine Woche lang hatten SDSler jeden Morgen Flugblätter vor Hamburger Firmen und Fabriken verteilt, in denen die Vietnamberichterstattung der ‚Bild‘-Zeitung vom selben Tag richtiggestellt wurde, eine ‚Anweisung zum richtigen Zeitunglesen‘, die vor allem bei den Hafenarbeitern Zustimmung fand.

  • Peter Schütt „Entwicklung der demokratischen Bewegung an der Universität Hamburg im WS 67/68“ in Blätter für dt. und internationale Politik 4/1968 S.389 [pdf]
  • Hamburger Abendblatt: Demonstration in Hamburg, Hamburg: HABL. 10.02.1968 [pdf] [Quelle: FZH] und [pdf] [Quelle: FZH]
  • Bild Zeitung: Krawall in Hamburg Bild Fahrer verletzt , Berlin: 10.2.1968 S.6. [pdf] [Quelle: FZH]
  • Welt, K.P: Auslieferung von Zeitungen in Hamburg verhindert / Demonstration vor Springer Haus, Hamburg:  10.02.1968 [pdf] [Quelle: FZH]
  • SDS LV HH: Zum zweiten Mal Bundeswehreinsatz gegen den SDS, Hamburg: Flugblatt, SDS Presserklärung 28.02.1968  [pdf] [Quelle: FZH]

14.02.1968 Der SDS beschließt auf der Mitgliederversammlung eine neue Satzung
„Bericht über die MV: 1. Die Stellungnahme des SDS Hamburg zu den Koordinierungsversuchen der außerparlamentarischen Opposition …2. Für die a.o. DK in Frankfurt (29.-31.3) wurden als Delegierte: Karl Heinz Roth, Arwed Milz, Erhard Neckermann, Peter Schütt und Reserve Harald Ebbinghaus… 4. Beiliegende Satzung für den Landesverband und die Universitätsgruppe ist als vorläufige Satzung angenommen worden. …6. Entsprechend der neuen Satzung gibt es keinen Landesvorstand mehr; die Funktion des alten Landesvorstandes übernimmt die Projektgruppe Koordinierung, sie ist zum nächstmöglichen Termin auf einem Arbeits-Jour Fix oder einer MV zu bilden.

  • Arwed Milz: SDS Hamburg Rundbrief 25.2.68, Einladung zur ao. MV, Hamburg: 25.02.1968 [pdf] [Quelle: HIS Seifert Materialien]

14.02.1968 Inhalte der SDS Satzung
A) Willensbildung
1. Die Mitgliederversammlung:
a) Die MV diskutiert und entscheidet über politische Grundsatzfragen.
b) Die MV nimmt neue Mitglieder auf und kann Mitgliedschaften entziehen.
c) Eine MV ist ordnungsgemäß einberufen, wenn sie den Mitgliedern eine Woche vorher bekannt gemacht wurde.
2. Das Arbeits Jour-Fix:
a) Das A-J-F bestimmt alle politischen Richtlinien und Aktionen.
b) Es tritt wöchentlich zusammen.
c) Es wählt aus seiner Mitte das Führungskollektiv; dieses durch die Bestätigung alter Führungskollektivmitglieder oder durch Neuwahl von Mitgliedern.
d) Es wählt die Projektgruppen (Ausnahme: Projektgruppe Finanzen).
3. Das Führungskollektiv:
Das Führungskollektiv ist Exekutivorgan des A-J-F.
a) Das F-K organisiert die Aktionen.
b) Es besteht aus mindestens 6 Mitgliedern und ist für eine Woche gewählt. Das F-K stellt ein wöchentliches Arbeitsprogramm auf, das im Zentrum ausgehängt wird.
c) Dis F-K kann Aufgaben delegieren.
d) Es trifft sich täglich oder nach Absprache.
e) Das F-K ist für alle Aktionen Flugblätter usw. dem A-J-F verantwortlich.
f) Im F-K sollten alle Gruppen des Landesverbandes vertreten sein.
4. Das öffentliche Jour-Fix:
a) Das öffentliche J-F hat die Funktion über den SDS zu informieren.
b) Es kann jeder Student und jeder Nichtstudent teilnehmen.
c) Das öffentliche J-F findet wöchentlich statt.
d) Auf jedem öffentlichen J-F wird ein aktuelles Thema zur Diskussion gestellt; nach Möglichkeit soll das Thema von SDS-Mitgliedern vorbereitet werden.
5. Die Projektgruppen:
a) Projektgruppen erarbeiten auf wissenschaftlicher Grundlage spezielle politische Themenkreise.
b) Aufgrund des erarbeiteten Materials planen sie Aktionen, die sie dem A J-F zur Diskussion stellen.
c) Daneben können Projektgruppen für organisatorische Aufgaben eingerichtet werden.
d) Die Projektgruppen sind dem A-J-F verantwortlich.

  • SDS Hamburg: Satzung des Landesverbands Hamburg, 14.02.1969 [pdf] [Quelle: FZH]

17.02.1968-18.02.1968 In Westberlin beginnt der Internationale Vietnamkongress,

Laut ‚BED‘ wird die Konferenz von ca. 20 sozialistischen Jugend- und Studentenorganisationen veranstaltet. Aufgerufen wurde u.a. vom AStA der FU am 30.1.1968 mit einem Flugblatt, in dem auch eine Erklärung von Agnoli und zahlreichen weiteren Prominenten zur Unterstützung dokumentiert wird. Begrüßt wird dieser Aufruf durch zahlreiche Professoren und Prominente. In Berlin erließen im Vorfeld SDS, GSG, HSU und der Landesverband des SHB ebenfalls einen „Aufruf an die deutschen Hochschulen zur Teilnahme an der Vietnam-Konferenz am 17./18. Februar in Berlin“

Jürgen Schröder: Vietnamsolidarität und Internationaler Vietnamkongreß in Westberlin am 17./18.2.1968 Materialien zur Analyse von Opposition, Berlin: [Mao Projekt]

Foto: Der Hamburger SDS auf der großen Vietnamdemonstration in Berlin

23.02.1968 Die Kranfirma Kampnagel will ihre Produktion einstellen

  • Ferdinand Gatermann: Wie ein Lauffeuer verbreitete sich die Nachricht unter den 1200 Mitarbeitern : Kampnagel will seine Produktion einstellen : Grund: Schwierige Lage auf dem Stahlmarkt, Hamburger Abendblatt, Nr. 46, Hamburg: 23.02.1968, S. 5 .[Original pdf]
  • Hamburger Abendblatt/thi: Senator Kern ist zuversichtlich, Hamburger Abendblatt, Nr. 46, Hamburg: 23.02.1968, S. 5.  [Original pdf]

26.02.1968
Peter Schütt  berichtet vermutlich aus dieser Woche: „Als Ende Februar die Schließung der Kampnagel-Werke drohte, halfen Studenten bei der Herstellung und Verbreitung von Flugblättern und trugen den Protest der Belegschaftsmitglieder in die Öffentlichkeit. Die gemeinsamen Aktionen von Arbeitern und Studenten haben gezeigt, dass die Verständigungsschwierigkeiten zwar groß sind, aber keineswegs unüberwindlich. Ein Anfang ist gemacht.

  • Peter Schütt: Entwicklung der demokratischen Bewegung an der Universität Hamburg im Wintersemester 1967/68, In: Blätter für deutsche und internationale Politik Jg. 13/1968, S. 389 [pdf]

April 1968 Ausgabe Nr.1 der Kampnagel Betriebszeitung erscheint.
Der SDS hat darin einen sechsseitigen Bericht über die Hintergründe der Schließung verfasst.

  • SDS Hamburg Aktionsgemeinschaft zur Erhaltung der Kampnagelbetriebe/Arwed Milz, Karl-Heinz Roth, Erhard Neckermann: Der Fall Kampnagel, Kampnagel Betriebszeitung, Nr.1, Hamburg: 03.1968. [pdf] [Quelle: FZH]

29.02.1968 300 Kampnagel Arbeiter verlangen Aufklärung über die Absichten der Geschäftsleitung und ziehen nach der Frühstückspause vor das Betriebsratsbüro.

  • Hamburger Abendblatt/ga: Abfuhr für den SDS : Erfolgloser Einmischungsversuch bei Kampnagel, Hamburger Abendblatt, Nr. 52, Hamburg: 01.03.1968, S. 5. [Original pdf]

29.02.1968 Kampnagel Arbeiter sind empört

Blinkfuer: Kampnagel Belegschaft in Hamburg und Oldesloe: Wir wurden verschaukelt, Hamburg, Blinkfuer, Nr.9 29.02.1968 S.2-3 [pdf] [Quelle: FZH]

02.03.1968 Einladung zur außerordentlichen SDS Mitgliederversammlung am 2. und 3. März 68.
A) Das Arbeits-Jour-Fix vom 24.2.68 beschloß am kommenden Wochenende den 2. und 3.3.68 im Zentrum eine außerordentliche MV abzuhalten. Die zweitägige MV beginnt am Sonnabend den 2.3. um 10 Uhr (vormittags) Tagesordnung:
I. Aktionen und theoretische Basis (Zywitz, Neckermann).
II. Außerordentliche Delegiertenkonferenz (Stellungnahme zur außerparlamentarischen Opposition). Es referieren alle Delegierten.
III. Arbeitsprogramm (Kritik WS 67/68 und Perspektiven für d. SS 68)
1. Organisatorische Fragen (Milz/Ebbinghaus)
2. Hochschulpolitik a.) Ergänzung zu „Revolte wozu“ (Zywitz, Stöwsands, Hennis.) b) Staatsmonopole und Hochschule (Ebbinghaus) c) KU (Schütt)
3. Schüler (Angela u. 2 Schüler)
4. Arbeiter (Roth/Oberlercher) u. (Heikendorf/Lackmann)
5. Bundeswehr – Polizei Notstand (Roth/Schmidt/Rolf S.)
6. Springer (Thaesler/Milz/Rothe)
7. Internationale Kontakte (Roth)
8. Kirche (Nieth/Schütt/Mohn).

Diese MV soll allen Mitgliedern und Kandidaten Gelegenheit geben ihre Kritik und Fragen bezüglich der Politik des SDS-Hamburg ausführlich zu diskutieren. Nach diesem Klärungsprozeß sollen auf den folgenden A-J-F die Zielvorstellung des SDS Hamburg formuliert und entsprechende Aktionen vorbereitet werden.

  • SDS HH: SDS Hamburg Rundbrief 25.2.68, Einladung zur a.o. MV, Hamburg: 25.02.1968 [pdf] [Quelle: HIS Seifert Materialien]

5.3.1968 Der SDS verteilt mehrere Flugblätter vor Kampnagel und lädt mehrfach zu Gesprächen in die Gasstätte Jarresstadt ein. Zu diesen Gesprächen erschienen 30–50 Arbeiter und diskutierten mit den SDS-Studenten.

  • SDS Hamburg/Aktionsgemeinschaft für die Erhaltung der Kampnagel Betriebe/Karl-Heinz Roth: Kollegen, Arbeiter, Angestellte!; Laßt Kampnagel-Arbeiter weiterschaffen, kein Geld für DEMAGs-Aktien-Affen; Kollegen; Kollegen, Arbeiter, Angestellte!, Hamburg: 05.02.1968. [pdf] [Quelle: FZH]

März 1968
BILD und SPIEGEL führten Kampagne gegen den neuen VDS-Vorsitzenden Christoph Ehmann, weil dieser nach § 175 (Homosexuelle Handlungen unter Erwachsenen) zu einem Monat Gefängnis auf Bewährung verurteilt worden ist. AStA und der Rat der VDS-Delegierten stellen sich hinter Ehmann, „da in der Homosexualität kein strafwürdiges Verhalten zu sehen ist“.

  • Studentische Gegenfestschrift zum 75 Universitätsjubiläum, 1994 Hg. Micheler, Stefan; Michelsen Jakob, S.104 [pdf]

13.03.1968
Prozess Oberlercher gegen Universität Hamburg beginnt. Oberlercher hatte geklagt, aus dem Hauptseminar von Prof. Wenke geworfen zu sein.

  • Hamburger Abendblatt: Professor Wenke hält keine Vorlesungen mehr Student Oberlercher klagt gegen seine Suspendierung, Hamburg: Nr.63 14.03.1968 S.4 [Orginal pdf]
  • Studentische Gegenfestschrift zum Unijubiläum 1994, Hg. Stefan Micheler, J. Michelsen S. 105 [pdf]

11.04.1968: Attentat auf Rudi Dutschke

Nach einer längeren Hetzkampagne der Springerpresse gegen die Vietnamproteste und Forderungen der Studierenden für eine Hochschulreform insbesondere in Berlin wird auf den Studenten Rudi Dutschke ein Attentat verübt. Verführt durch diese Hetze, schießt der 24-jährige Hilfsarbeiter Josef Bachmann mit einem Revolver Rudi Dutschke nieder. Nach diesem Attentat gab es ein klares Feindbild, das sich im Spruch „Bild hat mitgeschossen“ wiederspiegelte.

(Hinweis: Ausführlicher als in der nachfolgenden Chronik, werden die Ereignisse in der Zeit vom 11.4. – 30.5.1968 in den Beiträgen zu den Osterdemonstrationen [pdf] und zu den Gewaltereignissen [pdf] geschildert)

In Hamburg findet in der Innenstadt eine erste spontane Demonstration gegen das Attentat auf Rudi Dutschke statt. SDS, SHB und AStA rufen zur Demonstration auf.

Detlef Albers: Ansätze unmittelbarer Demokratie in der Studentenbewegung – ein Beitrag zur Rezeption des Rätegedankens, II. Verlauf der Aktionen in Hamburg, in „Partisan“ Nr. 2/ Jan.1969.  S. 50-63 [Teil 2 pdf]

Laut AStA der Uni (vgl. 22.4.1968) fliegen am Gänsemarkt an der Hamburger Abendblatt-Filiale erste Steine. Dies seien die ersten Steinwürfe in Hamburg überhaupt.

Laut AStA der Uni (vgl. 25.4.1968) protestieren in der Hamburger Innenstadt 500 spontan gegen das Dutschke-Attentat. Steinwürfe seien von einem ‚Geheimpolizisten‘ bzw. von einem Polizisten in Zivil durchgeführt worden.

  • ASTA, Holger Öhrens: Was wollen die Studenten, Hamburg: „Zur Sache“ Aktuelles aus Hochschule und Gesellschaft, 25.04.1968 (4 Seiten) [pdf] [Mao projekt]

12.04.1968
Vermutlich heute erscheint in Hamburg ein Flugblatt „Mordanschlag auf Dutschke“, mit dem die Humanistische Studenten-Union (HSU), der SDS, der SHB, der Liberale Studentenbund Deutschlands (LSD) und der AStA der Universität zur Demonstration um 19 Uhr ab Moorweide aufrufen.

  • Mao Projekt, Mordanschlag auf Dutschke, gemeinsames Flugblatt SDS,SHB,LSD, HSU, AStA [pdf] [Mao Projekt]

Laut AStA der Uni (vgl. 25.4.1968) beginnt die Polizei ein „sinnloses Gemetzel“ am Valentinskamp.

Laut Detlev Albers gelingt es 1.000 Demonstranten längere Zeit über den Hauptausgang des Springerkonzerns an der Kaiser-Wilhelmstraße
zu blockieren.

  • Detlef Albers: Ansätze unmittelbarer Demokratie in der Studentenbewegung – ein Beitrag zur Rezeption des Rätegedankens, in „Partisan“ Nr. 2/ Jan.1969. S.52 [Teil 2 pdf]

14.04.1968
Der Dekan der Philosophischen Fakultät Aubenque verurteilt in einem Brief an den AStA das Attentat auf Rudi Dutschke

  • MICHELER, Stefan/Michelsen, Jakob (Hg.): Der Forschung? Der Lehre? Der Bildung? – Wissen ist Macht! 75 Jahre Hamburger Universität. Studentische Gegenfestschrift zum Universitätsjubiläum 1994 Hamburg: S.105 [pdf]

undefined

Foto: G. Zint Vollversammlung nach dem Attentat auf Rudi Dutschke

15.04.1968: Springerblockade nach Ostermarsch
Die Polizei löst die gewaltfreie Demonstration unter härtestem Gewalteinsatz auf. Parallel werden die Räume des SDS am Von-MelIePark ohne Durchsuchungsbefehl untersucht, zufällig Anwesende werden ohne Haftbefehl abgeführt. Ein anschließendes Teach-In der DemonstrantInnen fordert angesichts der Vorgänge den Rücktritt des Innensenators Ruhnau. Die politischen Hochschulgruppen und der AStA werden aufgefordert, einen Vorlesungsstreik auszurufen, solange die DemonstrantInnen in Haft sind. Rektor und Akademischer Senat fordern einen Untersuchungsausschuss der Bürgerschaft zum Vorgehen der Polizei bei den Demonstrationen an den Ostertagen, der nicht eingerichtet wird. Stattdessen beschäftigt sich der lnnenausschuss mit den Vorfällen und gibt wenig Relevantes von sich. Einer Vielzahl von Anzeigen und Selbstanzeigen folgt eine Prozesslawine, nicht die erhoffte Einstellung der Verfahren.

  • MICHELER, Stefan/Michelsen, Jakob (Hg.): Der Forschung? Der Lehre? Der Bildung? – Wissen ist Macht! 75 Jahre Hamburger Universität. Studentische Gegenfestschrift zum Universitätsjubiläum 1994 Hamburg: S.105 [pdf]

15.04.1968
In Hamburg findet eine weitere Demonstration gegen das Attentat auf Rudi Dutschke statt, die von der Abschlusskundgebung des Ostermarsches 1968 auf der Moorweide startet und 4 – 5 000 Teilnehmer hat. Gegen Mitternacht erfolgt vor dem Polizeipräsidium der blutigste Polizeieinsatz der Ostertage überhaupt gegen ca. 1 500 Menschen, die vor dem Polizeipräsidium die Freilassung der vorbeugend inhaftierten SDS-Mitglieder fordern.

  • Jürgen Schröder: Materialien zu Studentenbewegung und Hochschulpolitik in Hamburg / Das Attentat auf Rudi Dutschke und die Osterunruhen Mitte April 1968, [Mao Projekt]
  •  D. Albers, Verlauf der Aktionen in Hamburg, in: Partisan Nr.2 01.1969 S.50ff [pdf] [Quelle: Mao Projekt]

 

Osterdemonstration Hamburg 1968 Am Mikrophon K.H. Roth Foto: G. Zint

  • Dokumentarfilm zu den Osterdemonstrationen
    Von der Revolte zur Revolution oder warum die Revolution erst morgen stattfindet (Kurt Rosenthal) – als DVD oder Teilauszüge aus dem Film unter: Kurt Rosenthal: Von der Revolte zur Revolution“ oder „Warum die Revolution erst morgen stattfindet“ Part 3 [Filmlink]

17.04.1968
In Hamburg findet ein Teach-In statt, auf dem der AStA vor über 2.000 Studenten sein Konzept der Demonstrationspause begründet. Auf diesem teach-in wird auch um das Verhältnis von direkter Demokratie (Basisdemokratie) und repräsentative Demokratie (Studentenparlament) gerungen. Wer hat das Sagen? Die Vollversammlung der Studierenden oder das Studentenparlament. Der ASTA kann keine Demonstrationspause durchsetzen.

  • D. Albers: Ansätze unmittelbarer Demokratie in der Studentenbewegung April/Mai 1968, Hamburg: Partisan Nr.2 01.1969 S.43-49 [pdf] [Quelle: Privatarchiv T.T.]

Der AStA der Universität Hamburg sowie die Gewerkschaftliche Studentengruppe (GSG) der Universität und der Akademie für Politik Hamburg veröffentlichen von diesem Teach-In den Beitrag von Otto Köhler über die Rolle des Springerkonzerns.

  • Otto Köhler: Auszüge aus einem Vortrag anlässlich des Teach in der Studentenschaft im Audimax der Universität Hamburg am 17.04.1968 [pdf] [Quelle: Mao Projekt]

17.04.1968
Der AStA gibt eine neue Zeitschrift, ,,Zur Sache“, heraus, die insbesondere der Schaffung einer Gegenöffentlichkeit – auch in der Stadt – dienen soll und als Bindeglied zwischen dem kurzfristigen ,,Info“ und dem ausführlichen ,,Auditorium“ fungieren soll. Die Finanzierung der 14-tägig erscheinenden Zeitung muss aufgrund der Haushaltslage der Studierendenschaft aus Spenden erfolgen.

  • ASTA Hamburg: Zur Sache, Hamburg: 04.1968 [pdf] [Quelle: Mao Projekt]
  • MICHELER, Stefan/Michelsen, Jakob (Hg.): Der Forschung? Der Lehre? Der Bildung? – Wissen ist Macht! 75 Jahre Hamburger Universität. Studentische Gegenfestschrift zum Universitätsjubiläum 1994 Hamburg: S.105 [pdf]

17.04.1968
,,Marburger Manifest“ von einer Vielzahl von Professorinnen unterzeichnet: Sie wettern gegen ,,die sogenannte Demokratisierung der Hochschulen“, die eine ,,Beschränkung der Freiheit von Forschung und Lehre und damit eine Verkümmerung der Wissenschaft zur Folge“ habe; das SP mißbilligt das ,,Pamphlet“ im Juli und lässt eine Liste der Hamburger Unterzeichner veröffentlichen; in Lehrveranstaltungen soll das Papier diskutiert werden.

  • MICHELER, Stefan/Michelsen, Jakob (Hg.): Der Forschung? Der Lehre? Der Bildung? – Wissen ist Macht! 75 Jahre Hamburger Universität. Studentische Gegenfestschrift zum Universitätsjubiläum 1994 Hamburg: S.105 [pdf]

18.04.1968
In Hamburg erscheint vermutlich heute die erste Ausgabe der AStA-Zeitung für die Hamburger Bevölkerung, ‚Zur Sache‘ (vgl. 25.4.1968) unter der Schlagzeile: „Mit der Polizei kam die Gewalt“ zu den Osterunruhen. Berichtet wird in „Draufhauen! Nachsetzen!“ aus Bremen vom Protest gegen die Fahrpreiserhöhungen, gefragt wird: „Bild schoß mit. Was hat Springer mit Dutschke zu tun?“, es wird festgestellt: „Springer pfeift – Regierung tanzt!“,  und die „Gefahr durch Springer“ dargestellt , wobei es dann nicht verwundert, wenn es zu Otto Brenner, Vorsitzender der IG Metall heißt: „Brenner warnt Bundesregierung“.
Berichtet wird vom schwerverletzten Dietmar Schmidt und im Impressum vom Teach-In, welches das Geld aufbrachte (vgl. 17.4.1968), aufgerufen zum Griechenlandprotest (vgl. 19.4.1968).

  • ASTA Hamburg: Zur Sache, Hamburg: 04.1968 [pdf] [Quelle: Mao Projekt]

19.04.1968
Der AStA der Universität Hamburg veröffentlicht vermutlich spätestens Ende dieser Woche eine Presseerklärung des Hamburger AStA zur Korrektur der Erklärungen des Hamburger Polizeipräsidenten unter dem Titel „Frenzel sagte nicht die Wahrheit!“.

  • Günter Hopfenmüller, ASTA: Frenzel sagte nicht die Wahrheit, Hamburg: Flugschrift, vermutlich 19.04.1968 [pdf] [Quelle: Mao Projekt]

20.04.1968
In Hamburg kommt es laut AStA der Uni (vgl. 25.4.1968) vermutlich heute im Prozess um die Vietnamdemonstration am 17.2.1967 zu zwei Freisprüchen und einer Verurteilung zu vier Monaten auf Bewährung.

  • ASTA Hamburg: Flucht nach vorn, Hamburg: Zur Sache, 25.04.1967 S.2 [pdf] [Quelle: Mao Projekt]

21.04.1968
Auf der Moorweide Hamburg versammeln sich knapp 1.000 Menschen, um gegen die Militärdiktatur in Griechenland zu protestieren. Der stellvertretende Vorsitzende der Jungsozialisten, Herbert Ludz, erklärt auf der Kundgebung, wer sich nicht zu den undemokratischen Verhältnissen in dem Mittelmeerland äußere, der mache sich mitschuldig. Am Ende verabschieden die Teilnehmer eine Resolution, in der vor allem die Auflösung der Konzentrationslager für politische Gefangene gefordert wird, und marschieren zum griechischen Konsulat. Als sie den Konsul dort nicht antreffen, jedoch erfahren, dass er sich im Hotel Atlantic aufhalte, ziehen sie dorthin weiten Noch bevor sie an dem an der Außenalster gelegenen Gebäudekomplex eintreffen, schreitet die Polizei ein. Bei den nun entstehenden Rangeleien werden 30 Demonstranten festgenommen.

  • Wolfgang Kraushaar: Die 68er-Bewegung. Eine illustrierte Chronik 1960-1969, Stuttgart 2018, Band 3

22.04.1968
Der AStA der Universität Hamburg gibt seine ‚Dokumente‘ Nr. 1/1968 (vgl. Sept. 1967) zu den Demonstrationsereignissen vom 11., 12. und 15.4.1968 heraus, die im Einzelnen dargestellt werden. Dokumentiert werden Verhaltensregeln des Innensenators Heinz Ruhnau für die Polizei und verschiedene Zeugenaussagen.

  • Jürgen Schröder: Materialien zu Studentenbewegung und Hochschulpolitik in Hamburg / Das Attentat auf Rudi Dutschke und die Osterunruhen Mitte April 1968,  [pdf] [Quelle: FZH] und [pdf] [Mao Projekt]

22.04.1968
AStA-Gespräch mit dem Hamburger Senat zum Polizeieinsatz am Ostermontag und zu studentischen Forderungen.

  • MICHELER, Stefan/Michelsen, Jakob (Hg.): Der Forschung? Der Lehre? Der Bildung? – Wissen ist Macht! 75 Jahre Hamburger Universität. Studentische Gegenfestschrift zum Universitätsjubiläum 1994 Hamburg: S.106 [pdf]

22.04.1968
Der AStA der Universität Hamburg gibt sein ‚Auditorium – Hamburger Studentenzeitung‘ Nr. 53 für April vermutlich in dieser Woche in einer Auflage von 10 000 Stück heraus.

Hamburg_Uni 270

Auditorium Nr.53 April 1968 Quelle:[Mao Projekt]

22.04.1968
Der AStA der Universität Hamburg gibt sein ‚AStA-Info‘ Nr.2 für das Sommersemester 1968 heraus, in dem zu den Demonstrationen der Ostertage bekanntgegeben wird: „Akademischer Senat fordert Untersuchungsausschuß“, aber auch dass morgens ein Gespräch von Studenten mit u.a. Ruhnau und Weichmann stattfinde. Hingewiesen wird auf die eigene heutige Dokumentation dazu. Aufgefordert wird zu Spenden für das Informationsblatt ‚Zur Sache‘ sowie zu Zeugenaussagen.

ASTA: Akademischer Senat fordert Untersuchungsausschuß, Hamburg: ASTA Info Nr.2, 22.04.1968  [pdf] Quelle: [Mao Projekt]

24.04.1968
In Hamburg findet, laut Detlev Albers, eine vom SDS einberufene Studentenversammlung statt, die eine Demonstration für den 1. Mai beschließt. Einem Aktionsausschuß gehören vor allem Mitglieder von SHB und SDS an.

  • Detlev Albers: II Verlauf der Aktionen in Hamburg, in: Partisan Nr.2, Hamburg 01.1969, S.53 [Teil 2 pdf]

25.04.1968 Der AStA der Universität Hamburg gibt seine ‚Zur Sache‘ (vgl. 18.4.1968, 9.5.1968) heraus. Der Leitartikel fragt: „Was wollen die Studenten?“. Berichtet wird von der Notstandsübung anlässlich der Osterunruhen (vgl. 12.4.1968, 13.4.1968). Gefragt wird: „Ist die Pressefreiheit in Gefahr?“, gewarnt wird vor der Teilnahme am 1. Mai, da die Bevölkerung stark aufgehetzt sei.

Berichtet wird außerdem von den Prozessen um die Vietnamdemonstration am 17.2.1967 (vgl. 20.4.1968) und wegen des 17.2.1968. Dokumentiert wird die Berichterstattung der Presse vom 16.4.1968. Analysiert wird die Polizeiausbildung.

  • ASTA, Holger Öhrens: Was wollen die Studenten, Hamburg: „Zur Sache“ Aktuelles aus Hochschule und Gesellschaft, 25.04.1968 (4 Seiten) [pdf] [Mao projekt]

28.04.1968 Gründung Arbeiterausschuss Hamburger Arbeiter Studenten und Schüler (HASA).
Er besteht bis Ende Mai 1968. Verteilung von 15 Flugblättern (Auflage jew. 6-8000) Verteilung im Hafengebiet.

  • Detlev Albers: II Verlauf der Aktionen in Hamburg, in: Partisan Nr.2, Hamburg 01.1969, S.56 [Teil 2 pdf]

30.04.1968
AStA führt Immatrikulationsveranstaltung durch, um alle StudienanfängerInnen über die hochschulpolitische Lage zu informieren; auch der Rektor darf referieren.

  • MICHELER, Stefan/Michelsen, Jakob (Hg.): Der Forschung? Der Lehre? Der Bildung? – Wissen ist Macht! 75 Jahre Hamburger Universität. Studentische Gegenfestschrift zum Universitätsjubiläum 1994 Hamburg: S.106 [pdf]

01.05.1968
Laut ‚Roter Morgen‘ nehmen in Hamburg „etwa 4.000 Menschen an der Kundgebung des DGB teil. … Nach Schluß der offiziellen Kundgebung zogen etwa 2 500 bis 3 000 Menschen zur Moorweide, wo eine sozialistische Maikundgebung durchgeführt wurde. Ein anschließender Demonstrationszug von 300 Lehrlingen und jungen Arbeitern wurde wenig später durch die Polizei zerschlagen“.

  • Jürgen Schröder: Materialien zu Studentenbewegung und Hochschulpolitik in Hamburg Teil 5: Mai und Sommer 1968 [Mao Projekt]

06.05.1968
An der Universität Hamburg findet, laut Detlev Albers eine studentische Vollversammlung (vgl. 28.5.1968) statt, die eine weitere Kundgebung gegen die Notstandsgesetze (NSG – vgl. 9.5.1968) beschließt und einen neuen Aktionsausschuss, nun „unter Federführung des AStA“ einsetzt. Über den Streik am 15.5.1968 findet keine Einigung statt, da
SDS und der linke Flügel für Barrikadenbau und Streikposten sowie Demonstrationen in der Innenstadt sind, während der AStA, die meisten Fachschaften und der restliche SHB lediglich Informationsveranstaltungen durchführen wollen. Es findet keine Entscheidung statt.

  • Detlev Albers: II Verlauf der Aktionen in Hamburg, in: Partisan Nr.2, Hamburg 01.1969, S.56 [Teil 2 pdf]

07.05.1968
In Fantasieuniformen gekleidet stürmen um die Mittagszeit rund vierzig SDS-Mitglieder zu einem Notstands-Happening in die Mensa der Hamburger Universität. Sie sind mit Gummiknüppeln bewaffnet, geben sich als Angehörige eines »Universitäts-Schutzcorps« aus und herrschen die perplexen Kommilitonen mit dem Ausruf an: »Dies ist eine Notstandsübung!« Dann »befehlen« sie, ihnen zum Haupteingang des Auditorium Maximum zu folgen und dort in Reih und Glied anzutreten. Wer dazu nicht bereit ist, wird auf der Stelle »festgenommen«. Anschließend ziehen die Uniformierten zu einigen Professoren weiter, holen sie aus ihren Dienstzimmern heraus, erklären ihnen, sie würden damit für eine »Antibakteriologische Universitäts-Schutztruppe« zwangsverpflichtet und müssten auch ihre Privatwagen zur Evakuierung anderer Dienstkräfte zur Verfügung stellen. Während sie weitereilen, um ihre Antinotstands-Aktion auch in Cafés, Geschäften und Kaufhäusern durchzuführen, verteilt eine Gruppe von Demonstranten Flugblätter an Passanten. Darin ist zu lesen, dass die miterlebten Szenen durchaus Wirklichkeit werden könnten.

undefined

Simulierte Notstandsaktion des SDS am Jungfernstieg 07.05.1968 Foto: G. Zint

Simulierte Notstandsaktion des SDS vor der Staatsoper Hamburg 07.05.1968 Foto: G. Zint

undefined

Simulierte Notstandsaktion des SDS auf dem Campus vor dem Audimax 07.05.1968 Foto: G. Zint

Das »Universitäts-Schutzcorps« wird von dem Medizinstudenten Karl Heinz Roth angeführt, der seit einigen Tagen von der Polizei gesucht wird. Gegen ihn liegt ein Haftbefehl vor. Er wird beschuldigt, im Anschluss an eine Maikundgebung Landfriedensbruch begangen und gegen das Versammlungs- sowie das Bannmeilengesetz verstoßen zu haben. [Kraushaar3]

08.05.1968
AStA diskutiert intern, ob ein SDS-Vertreter als Referent aufgenommen werden soll: Meinungsbild ergibt kein klares Ergebnis.

  • MICHELER, Stefan/Michelsen, Jakob (Hg.): Der Forschung? Der Lehre? Der Bildung? – Wissen ist Macht! 75 Jahre Hamburger Universität. Studentische Gegenfestschrift zum Universitätsjubiläum 1994 Hamburg: S.106 [pdf]

09.05.1968
An der Universität Hamburg wurde durch die studentische Vollversammlung (vgl. 6.5.1969) eine Kundgebung auf der Moorweide gegen die Notstandsgesetze (NSG) zur Vorbereitung des bundesweiten Sternmarsches (vgl. 11.5.1968) beschlossen. Die Vorbereitungen für die Kundgebung beginnen aber so langsam, dass die Redner absagen.

  • Detlev Albers: II Verlauf der Aktionen in Hamburg, in: Partisan Nr.2, Hamburg 01.1969, S.55 [Teil 2 pdf]

09.05.1968
Der AStA der Universität Hamburg gibt seine ‚Zur Sache‘ Nr.2 (vgl. 25.4.1968) heraus. Die Hamburger SPD-Druckerei Auerdruck verweigerte dem ‚Hamburger Extrablatt‘ (vgl. 22.6.1967) den Druck, woraufhin die Redakteure endgültig resignierten. ‚Zur Sache‘ werde aber deren Anliegen weiterverfolgen.

Aufgerufen wird zum Sternmarsch gegen die Notstandsgesetze (NSG – vgl. 11.5.1968). Die NSG sollen auch an die Stelle der alliierten Vorbehaltsrechte, d.h. des „Dschungelrecht in Westeuropa“ treten.

Berichtet wird u.a. vom 1. Mai, vom Prozess gegen den Studentenjournalisten Oehrens sowie vom NPD-Erfolg in Baden-Württemberg, der den Studenten angelastet werde.

Bei den Osterdemonstrationen habe Innenminister Benda die Länderhoheit verletzt. Helmut Schmidt von der SPD wolle Mitbestimmung nur für Arbeitgeber. Festgestellt wird: „Arbeiter sind nicht dümmer“.

  • ASTA Hamburg, Hrsg.:  Zur Sache, 09.05.1968 (4 Seiten) [pdf] [Mao Projekt]

11.5.1968
Zum Sternmarsch nach Bonn gegen die Notstandsgesetze (NSG) wurde auch in Hamburg aufgerufen (vgl. 9.5.1968).

  • ASTA Hamburg, Hrsg.: 11. Mai Sternmarsch nach Bonn Demokratie in Gefahr, Hamburg: Zur Sache, 09.05.1968S.1 [pdf] [Mao Projekt]
  • Detlev Albers: II Verlauf der Aktionen in Hamburg, in: Partisan Nr.2, Hamburg 01.1969, S.55 [Teil 2 pdf]

13.5.1968
Vorlesungsstreik wegen Notstandsgesetzgebung.

  • MICHELER, Stefan/Michelsen, Jakob (Hg.): Der Forschung? Der Lehre? Der Bildung? – Wissen ist Macht! 75 Jahre Hamburger Universität. Studentische Gegenfestschrift zum Universitätsjubiläum 1994 Hamburg: S.106 [pdf]

14.5.1968
Teach-In im Audimax mit H. Hannover, KH Roth, Milz, Zywietz

(Inhalte siehe Flugblatt)

14.5.1968 Rektoratsfeier der Universität Kiel gesprengt

Hamburger Abendblatt: Kieler Studenten leißen Rektoratsfeier platzen, Protest gegen „Muff-Out“ mit „Mummenschanz“, Hamburg, Nr.113, S.11, 15.05.1968 [Original pdf]

15.5.1968
An der Universität Hamburg wird gegen die Notstandsgesetze (NSG) gestreikt, teils mit, teils ohne ‚technische Hilfsmittel‘. Abends findet eine Informationsveranstaltung des AStA mit Politikern und Gewerkschaftern im überfüllten Audimax statt. Eine studentische Verhandlungskommission aller linken Hochschulgruppen und des AStA soll das vom örtlichen DGB-Vorsitzenden Höhne versprochene Bündnis mit dem DGB Hamburg vorbereiten (vgl. 21.5.1968).

  • Detlev Albers: II Verlauf der Aktionen in Hamburg, in: Partisan Nr.2, Hamburg 01.1969, S.55 [Teil 2 pdf]

Laut Wolfgang Krohn (vgl. 24.6.1968) missglückt der Streik. Der Philosophenturm sei statt wie um 22 Uhr bereits zwischen 17 und 19 Uhr gesperrt worden, wozu es u.a. hinsichtlich
Jürgens Riegers heißt:“

Kein Schlägertyp wie Herr Rieger vom RSD schwang seinen Knüppel, kein eloquenter Verteidiger seines Rechts, Seminare und Dozenten zu besuchen, fand sich vor den Türen des Turmes. Alle, die sich gegen die politisch motivierten Maßnahmen der Studenten wandten, nahmen die unmotivierten Verwaltungsmaßnahmen hin wie das Wetter.“

  • Detlev Albers: II Verlauf der Aktionen in Hamburg, in: Partisan Nr.2, Hamburg 01.1969, S.55 [Teil 2 pdf]

15.5.1968
Gründung 2. Hamburger Arbeiter-und Studentenausschuss (HASA) in einer Studentenversammlung. Ziel: Zusammenarbeit zwischen DGB und Studentenschaft hinsichtlich Notstandsgesetze intensivieren. Der HASA erlosch nach Verabschiedung der Notstandsgesetze.

15.5.1968 2. Lesung der Notstandsgesetze

16.5.1968
Justizsenator Peter Schulz will sein Referat ,,Demonstration, gewaltloser Widerstand, Aufruhr – eine politisch-juristische Analyse“ nicht vor den 14 erschienenen Studentenparlaments-VertreterInnen halten, weil die Zahl der Hörer*lnnen zu gering sei und diese nicht repräsentativ“ seien.

  • MICHELER, Stefan/Michelsen, Jakob (Hg.): Der Forschung? Der Lehre? Der Bildung? – Wissen ist Macht! 75 Jahre Hamburger Universität. Studentische Gegenfestschrift zum Universitätsjubiläum 1994 Hamburg: S.106 [pdf]

19.05.1968: DGB-Bundesvorstand zu den Notstandsgesetzen

Der DGB beschließt, laut Detlev Albers heute die Beeinflussung der Bundestagsabgeordneten und weiter heißt es: „Wie bisher wird der DGB alle Maßnahmen in eigener Verantwortung durchführen und sich nicht von anderen Gruppen in unkontrollierbare Aktionen drängen lassen.“

Detlev Albers: II Verlauf der Aktionen in Hamburg, in: Partisan Nr.2, Hamburg 01.1969, S.55 [Teil 2 pdf]

21.5.1968
In Hamburg soll heute zur Vorbereitung der 3. Lesung der Notstandsgesetze, laut Detlev Albers (vgl. Dez. 1968), das Treffen der studentischen Verhandlungskommission mit dem örtlichen DGB-Vorsitzenden Höhne und den Vorsitzenden der Einzelgewerkschaften stattfinden. Diese aber verweigern sich aufgrund des Beschlusses des DGB-Bundesvorstands (vgl. 19.5.1968) der Zusammenarbeit. Daraufhin bildet sich der Hamburger Arbeiter- und Studenten-Ausschuss (HASA), der schon nach zwei Tagen 35 Betriebsräte großer Firmen als Unterzeichner seines Flugblattentwurfs gewinnen konnte und bald 50 Mitglieder umfaßte, die eine Demonstration bzw. später eine Kundgebung für den 28.5.1968 vorbereiten.

21.5.1968 Der Graffiti-Maler Peter Ernst Eiffe der auch an der Uni von sich reden macht wird verhaftet

  • MICHELER, Stefan/Michelsen, Jakob (Hg.): Der Forschung? Der Lehre? Der Bildung? – Wissen ist Macht! 75 Jahre Hamburger Universität. Studentische Gegenfestschrift zum Universitätsjubiläum 1994 Hamburg: S.106 [pdf]
  • Hamburger Abendblatt: Sein Name ziert fast alle Litfaßsäulen, In Hamburg fragt man sich: Wer ist eigentlich Eiffe / Von Polizei gestellt / Normaler Eindruck Hamburg: Nr.119, 22.05.1969, S.3 [Original pdf]

27.5.1968
In Hamburg scheitert, laut Detlev Albers (vgl. Dez. 1968), der Versuch der Durchführung einer weiteren studentischen Vollversammlung (vgl. 6.5.1968) zum Protest gegen die Notstandsgesetze, da das Präsidium des Studentenparlaments „nicht für die geringste Ankündigung gesorgt hatte.“

  • Detlev Albers: II Verlauf der Aktionen in Hamburg, in: Partisan Nr.2, Hamburg 01.1969, S.60 [Teil 2 pdf]

28.5.1968
In Hamburg findet heute aufgrund der morgigen 3. Lesung der Notstandsgesetze, laut Detlev Albers (vgl. Dez. 1968), eine Kundgebung mit mehr als 10.000 Menschen statt, die sich zum Zug durch die Bannmeile entschließen, wobei die Nachhut versuchte, die Staatsoper zu besetzen. Abends wird im Audimax eine weitere Demonstration am nächsten Tag beschlossen.

  • Detlev Albers: II Verlauf der Aktionen in Hamburg, in: Partisan Nr.2, Hamburg 01.1969, S.57 [Teil 2 pdf]

undefined

Foto: G. Zint

28.5.1968
Demonstration gegen Notstandsgesetze in Hamburg mit 10.000-12.000 Teilnehmer*lnnen: an den folgenden Tagen finden Demonstrationen in Arbeiter*innenwohngebieten statt, um über die Konsequenzen der Notstandsgesetzgebung zu informieren.

  • MICHELER, Stefan/Michelsen, Jakob (Hg.): Der Forschung? Der Lehre? Der Bildung? – Wissen ist Macht! 75 Jahre Hamburger Universität. Studentische Gegenfestschrift zum Universitätsjubiläum 1994 Hamburg: S.106 [pdf]

29.5.1968
Im Schauspielhaus betreten, laut Agnes Huffner und Peter Schütt (vgl. 24.6.1968), mehrere hundert Demonstranten während der Pause das Foyer, um mit dem Publikum zu diskutieren. Nach der abgebrochenen Vorstellung findet ein mehrstündiges Teach-In statt. Das Schauspielhaus wird, laut Agnes Huffner und Peter Schütt am folgenden Tag von der Polizei abgeriegelt, es kann keine Diskussion stattfinden, eine Woche später aber laden Franz-Josef Degenhardt und Wolfgang Neuß 50 SDS-Mitglieder auf die Bühne ein, führen ihr Programm mit einem Teach-In über die Aufgaben von Kunst, Literatur und Theater nach der Verabschiedung der Notstandsgesetze fort.

  • Hamburger Abendblatt, Tumult im Schauspielhaus, von Demonstranten besetzt, Notstandsgegner stürmten die Bühne, Gäste gingen, Hamburger Abendblatt,: Nr.125 30.05.1968 S.3 [Original pdf]
  • Peter Schütt / Agnes Huffner: Theaterdonner, Hamburg: Auditorium Nr.55 07.1968 S.19  [pdf] Quelle: [Mao Projekt]

29.05.1968 Fahndung nach Karl Heinz Roth

Hamburger Abendblatt, Polizei fahndet nach SDS Roth, Hamburger Abendblatt,: Nr.125 30.05.1968 S.3 [Original pdf]

30.5.1968 Teach-In zur Notstandsgesetzgebung.

  • MICHELER, Stefan/Michelsen, Jakob (Hg.): Der Forschung? Der Lehre? Der Bildung? – Wissen ist Macht! 75 Jahre Hamburger Universität. Studentische Gegenfestschrift zum Universitätsjubiläum 1994 Hamburg: S.106 [pdf]

30.5.1968 Demonstration gegen Notstandsgesetze in Altona
In Hamburg findet aufgrund der gestrigen 3. Lesung der Notstandsgesetze (vgl. 28.5.1968, 30.5.1968), laut Detlev Albers (vgl. Dez. 1968), eine Demonstration durch Altona statt mit nur noch 600 bis 800 Leuten.

  • Detlev Albers: II Verlauf der Aktionen in Hamburg, in: Partisan Nr.2, Hamburg 01.1969, S.57 [Teil 2 pdf]

 

 

« zurück (2. Phase 07.04.1966 – 02.06.1967) | (4. Phase 16.06.1968 – 31.03.1969) vorwärts »